Mannheim

Soziales Wohlfahrtsverband kündigt Modernisierung an, um handlungsfähig zu bleiben / Keine betriebsbedingten Kündigungen oder Wegfall von Angeboten

Diakonisches Werk will mit Strategieprozess sparen

Archivartikel

Das Diakonische Werk (DW) Mannheim strebt einen umfassenden Strategieprozess an, um weiterhin handlungs- und zahlungsfähig zu bleiben und der gesellschaftlichen Verantwortung in der Stadt gerecht zu werden. Unter dem Motto: „Umbauen, Abbauen, Aufbauen“ soll das DW mit rund 34 Beratungsstellen und Einrichtungen in den kommenden Monaten zukunftsorientiert neu aufgestellt werden.

„Wir werden eine Reihe von Maßnahmen ansteuern, die sowohl erforderliche Kostenentlastungen als auch konzeptionelle Weiterentwicklungen ermöglichen sollen“, sagt Direktor Michael Graf (Bild). Dazu gehöre unter anderem die Verlagerung von Standorten sowie eine effektivere Zusammenarbeit mit anderen Wohlfahrtsverbänden und der Stadt Mannheim. Das betrifft vor allem die Arbeitsbereiche Bahnhofsmission, die Psychologische Beratungsstelle Sucht, die Schuldnerberatung, das Integrationsmanagement sowie den Sozialpsychiatrischen Dienst. Graf fordert als Vorsitzender der Liga der Wohlfahrtsverbände in Mannheim, dass professionelle soziale Dienstleistungen durch Bund, Land und Kommunen besser refinanziert werden müssen, da sie sonst nicht mehr leistbar sind.

Die Corona-Pandemie stelle auch das DW vor große Herausforderungen. So mussten intern viele Mitarbeiter kurzfristig ins bürofreie Arbeiten wechseln. Gleichzeitig mussten Beratungsstellen wegen der Infektionsgefahr vorübergehend geschlossen werden. Zudem baute das DW schnell und unbürokratisch ein Netzwerk an Hilfeleistungen auf, um Menschen, die wegen Corona in Not gerieten, zu helfen.

Hohe Mehrkosten wegen Corona

Der durch Corona entstandene Mehraufwand belief sich bis zum Ende des ersten Halbjahres auf rund 60 000 Euro. Weitere Auswirkungen durch etwa zurückgehende Kirchensteuermittel seien noch unsicher. „Wir agieren auf einem Markt, auf dem die erzielbaren Umsätze nicht reichen, um die notwendigen Ausgaben zu bezahlen“, erläutert Graf. Das DW arbeite nicht gewinnorientiert, müsse aber gleichwohl leistungsfähig sein und bleiben.

„Den Tarif- und Preissteigerungen haben wir nichts entgegenzusetzen“, so Graf. Hinzu kämen Altlasten, wie die Übernahme des in finanzielle Schieflage geratenen und Ende 2019 aufgelösten Diakonievereins oder auch jüngst die überraschende Schließung der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge.

Das DW Mannheim mit 270 Mitarbeitern sei noch in der Lage, eine Konsolidierung darzustellen, ohne dass es zu betriebsbedingten Kündigungen oder den Wegfall von Angeboten komme. Dennoch müssten Angebote eingeschränkt werden, zudem könnten befristete Arbeitsverträge nicht immer verlängert werden. Mitarbeiter mit unbefristetem Arbeitsvertrag könnten auf andere Stellen wechseln. Die betroffenen Mitarbeiter seien bereits in Einzelgesprächen informiert, allen anderen seien Strategieprozess und Konsolidierung erläutert worden.

„Wir wollen das Diakonische Werk behutsam neu strukturieren und modern gestalten“, sagt Graf – mit einer Digitalisierung der Verwaltung, der Optimierung von Abläufen und Prozessen. Mit dem Projekt „Junge Diakonie“ will Graf junge Menschen mehr in diakonische und soziale Handlungsfelder mit einbeziehen. 

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