Mannheim

Antisemitismus Israelischer Künstler Ben Salomo zu Gast am LFG

Die Gefahr der Musikrichtung Deutsch-Rap

Archivartikel

Der Theatersaal im Mannheimer Ludwig-Frank-Gymnasium (LFG) ist voll. Denn zu Gast ist am Mittwoch ein Star aus der Hip-Hop-Szene: der israelische Rapper Ben Salomo. „Wer von euch hat schon einmal das Gerücht gehört, Juden müssten in Deutschland aufgrund des Holocausts keine Steuern zahlen?“, fragt er. Fast alle Hände der rund 70 Schüler gehen nach oben. Da sich solche Sprüche und damit Antisemitismus im Deutsch-Rap immer mehr verfestigt hätten, beendete Salomo im Jahr 2018 seine Karriere. Nun tourt er mit der Kampagne „#clapforcrap“ (auf Deutsch: Klatschen für Müll) in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung durch Deutschland. Aber nicht, um Musik zu machen. Sondern um Schülern von seinen antisemitischen Erfahrungen zu berichten. Und um zu verdeutlichen, dass Wegschauen bei Diskriminierung und Rassismus nicht ausreicht.

Salomo, der eigentlich Jonathan Kalmanovich heißt, wurde 1977 in Rechovot geboren und kam 1981 nach Berlin. Sein Vater stammt aus Rumänien, seine Mutter aus der Ukraine. 2010 gründete er das Rapbattle-Internetformat „Rap am Mittwoch“, das in verschiedenen Städten aufgezeichnet wurde. Bis zu 120 Millionen Klicks erhielt der Künstler auf seine YouTube-Show, die er 2018 beendete. „Weil Antisemitismus auch immer mehr zu einer Weltvorstellung im Rap wurde“, wie er sagt. „Da steht in den Texten ein Israel im Fokus, das hinter allen Krisen stecken soll.“ Mikhail Aronikov, Leiter des Philosophie-Kurses am LFG, lud Salomo zum zweiten „Philosophischen Café“ der Kursstufe 1 nach Mannheim ein. „Er hat eine Botschaft, die alle Schulen betrifft“, findet er. „Die Jugendlichen kennen Salomo und nehmen ihn als Vorbild“. Das hofft auch der Hamburger Journalist Christoph Giesa von der Friedrich-Naumann-Stiftung, der Salomo begleitet. „Wie alle politischen Stiftungen erreichen wir meistens nur Leute über 50 Jahren“, beschreibt Giesa. Mit der Kampagne „#clapforcrap“ wolle man etwas für die Jugend schaffen. Wer Diskriminierung und Ausgrenzung mitbekommt und keine schlagfertigen Argumente parat hat, soll einfach langsam und sarkastisch klatschen. Das ist die Idee hinter der Kampagne.

Früh Diskriminierung erfahren

Er habe Antisemitismus schon sehr früh erfahren müssen, erzählt Salomo auf der Bühne im LFG. Mit elf Jahren wurde er von eigentlichen Freunden bedroht. „Greif ihn an, den Juden“, schrie einer, als dieser von Salomos Herkunft erfuhr. Auch bei „Rap am Mittwoch“ bekam er Diskriminierung zu spüren. Es seien nicht nur die Texte im Deutsch-Rap gewesen, die immer rassistischer und antisemitischer wurden. Salomo musste sich auch viele reale Kommentare anhören. „Der will mit seiner Judenveranstaltung doch nur die Hip-Hop-Szene ausbeuten“, war eine dieser Aussagen. Der Skandal um den Musikpreis Echo 2018 sei nur ein Beispiel dafür gewesen, wie unterschwellig Diskriminierung in der Musik mittlerweile ablaufe, sagt der Rapper. Die Jury nominierte damals den Künstler Kollegah für ein Album, das die Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“ beinhaltete.

In kurzen Referaten besprachen am Mittwoch auch die Schüler des LFG die Gefahr, die von solchen Musik-Texten ausgehen kann. Das Hauptproblem: Sie seien eingängig und frei zugänglich. „Irgendwie gehören Beleidigungen und Diskriminierung zum Deutsch-Rap schon dazu“, findet Juri Wilmer, Schüler der Kursstufe 1. „Deswegen höre ich das auch nicht.“ Aber vor allem im Internet treffe man inzwischen immer häufiger auf offenkundig rassistische und antisemitische Äußerungen, fügt Mitschülerin Chantal Siefert hinzu. „Da muss man aktiv dagegen vorgehen und denjenigen klarmachen, dass es falsch ist“, sagt sie. Natürlich sei dabei jemand überzeugender, der schon selbst Antisemitismus erfahren habe.

Schulleiter Holger Reusch betont: „Wenn jemand von außen kommt, hat er immer einen neuen Blick auf ein Thema.“ Das komme natürlich anders an als der Lehrplan. Auch Reusch beobachtet eine wachsende Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft. „Da wollen wir präventiv wirken.“ Dabei an ganz alltäglichen Punkten wie Musik anzuknüpfen, sei enorm wichtig, so Salomo. „Die Jugendlichen müssen lernen, die angebliche Provokation im Deutsch-Rap mit Filtern zu hören“, sagt er.

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