Mannheim

Die Guten und die Bösen

Das ist doch schon so lange her, mögen viele denken, wenn es um Täter und Opfer aus der Zeit des Nationalsozialismus geht. Richtig: 75 Jahre ist es her, rechnerisch sind das drei Generationen seit 1945. Doch zeigen Veranstaltungen wie am Wochenende im Marchivum, dass „Vergangen“ eben nicht automatisch „Vergessen“ bedeutet. Davon abgesehen: Dass das gut so ist, zeigen Diskussionsrunden doch auch, dass es in den Biografien von Menschen und Familien diesen Schnitt, diese berühmte „Stunde Null“, einfach nicht gibt. Nicht bei den Nachkommen, an welche die Ereignisse von einst weitergegeben wurden, und nicht bei den scheinbar Unbeteiligten, die andere daraus nicht entlassen wollen. Da ist jemand noch nach 75 Jahren „der Enkel von“, und niemand fragt danach, wie er damit klarkommt.

Aber: Selten ist eine Sache nur Schwarz oder Weiß. Da gibt es den fanatischen Nazi in der Opfer-Familie. Oder die Anverwandten im Widerstand, an die sich andere nicht mehr gern erinnern. Niemand ist automatisch ein Guter, nur weil die Vorfahren zu den Guten gehörten, nicht mitmachten in der NS-Diktatur. Umgekehrt ist auch niemand ein Böser, der von jemandem abstammt, der Verbrechen beging. Dialoge zeigen Töchter, Söhne, Enkel oder Urenkel in ihren Nöten und Verstrickungen. Sie können aber auch anderen Mut machen, einen Blick auf die eigenen Vorfahren zu werfen.

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