Mannheim

Zusammenfassung Rücktritte von hochrangigen Funktionären bringen den Stein Anfang vergangener Woche ins Rollen / Ungereimtheiten um Führungspersonal und Verträge

Die Krise am Alsenweg: Was bisher geschah

Vier prominente Rücktritte und ihre Begleitumstände haben gezeigt, dass es intern viele Streitigkeiten beim SV Waldhof Mannheim gibt. Die Rücktritte bezogen sich dabei in Wesentlichen auf Konflikte zwischen den höchsten Vereinsgremien und Präsident Bernd Beetz sowie dem Geschäftsführer der Spielbetriebsgesellschaft, Markus Kompp. Das ist in den vergangenen Tagen passiert:

Montag, 2. September

Aufsichtsrat und Präsidium kommen am Abend zu einer außerplanmäßigen Sitzung zusammen. Inhalt sind Anfeindungen gegenüber dem Kontrollgremium des Vereins, und dass dessen Arbeit behindert würde. Präsident Beetz hatte die Arbeit des Aufsichtsrats in internen Mails als „sinnfreies Gequatsche“ und „Gesabber auf Rekordhoch“ bezeichnet. Auch längst fällige Wirtschaftspläne wurden dem Gremium trotz mehrfacher Aufforderung nicht zur Genehmigung vorgelegt. Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Hans Kneller sowie die Präsidiumsmitglieder Wolfgang Gruber, Peter Köhnlein und Birgit Loewer-Hirsch erklären ihren sofortigen Rücktritt.

Dienstag, 3. September

Der „MM“ berichtet jenseits der Rücktritte über einen Pachtvertrag zwischen der Spielbetriebsgesellschaft des SV Waldhof Mannheim und dem sogenannten „Club der 100“ sowie die Verpflichtung des Mittelfeldspielers Sandro Loechelt. Loechelt war als Amateur für die U 23 verpflichtet worden, kam aber zunächst nur in der Profi-Mannschaft zum Einsatz. Mittlerweile stand er auch für die U 23 auf dem Platz. Um sein Monatsgehalt von 250 Euro zu kompensieren, wurden laut internen Gesprächen Fahrtkostenpauschalen als Lohnersatz verabredet. Über die Arbeitsagentur bezieht der 24-Jährige laut eigener Aussage gegenüber der SVW-Geschäftsstelle zudem Leistungen. Die Staatsanwaltschaft leitet auf Basis des „MM“-Berichts Vorermittlungen ein.

Mittwoch, 4. September

Präsident Bernd Beetz äußert sich im „Mannheimer Morgen“ erstmals zu den Rücktritten in Präsidium und Aufsichtsrat. Dabei berichtet er über sein eigenes finanzielles Engagement, mit dem er ein Vereinsdefizit von 1,8 Millionen Euro ausgeglichen habe – gleiches Engagement habe er von den zurückgetretenen Präsidiumsmitgliedern in der Akquise von Sponsoren für den Verein – also nicht die für den Profikader zuständige Spielbetriebsgesellschaft – erwartet. Zur Motivation hinter den Rücktritten sagt Beetz wörtlich: „Hier müssen Versager ihren Frust abarbeiten.“ Noch am selben Tag beruft der SV Waldhof Michelle d’Ancona als Finanzverantwortliche ins Präsidium, um wieder handlungsfähig zu sein. Die Satzung schreibt mindestens drei Mitglieder vor. Auch den Platz im Aufsichtsrat der GmbH, der nach Grubers Rücktritt frei wurde, wird mit der Schweizerin besetzt. D’Ancona ist laut „MM“-Informationen Mitgründerin und Direktorin der Investment-Gesellschaft BB Kapital SA mit Sitz im schweizerischen Lugano, an der Beetz wesentliche Teile hält. Laut „MM“-Recherchen spricht die Budget-Spezialistin kein Deutsch.

Donnerstag, 5. September

Sportdezernent Lothar Quast erklärt im „MM“ die Mietverhältnisse zwischen Stadt und SVW, die auf „sportlich effektive Nutzbarkeit“ in der Regionalliga ausgerichtet gewesen seien. Er verweist auf aktuelle Nachverhandlungen. Darüber, dass der „Club der 100“ jährlich 14 000 Euro Pacht für die Räume im Carl-Benz-Stadion an die Spielbetriebsgesellschaft überweisen soll, sei die Verwaltung nicht informiert gewesen, reagiert Quast „verblüfft“. SVW-Geschäftsführer Kompp hatte dem Bericht widersprochen. 

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