Mannheim

Benefizaktion Stefano Ferrara kämpft zum dritten Mal gegen den Krebs / Spendenkampagne für Therapie in New York

Die letzte Chance

Archivartikel

Es gibt eine Frage, sagt Stefano Ferrara, die man sich nicht stellen dürfe. „Sonst macht man sich kaputt.“ Es ist die Frage nach dem Warum. Der 22-Jährige Eishockey-Spieler aus Neckarau ist zum dritten Mal an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt. Der Krebs hat gestreut, Ferrara hat Metastasen im Bauchraum und in den Lymphknoten. Ende Juni teilten ihm die Ärzte mit, ihn nicht mehr heilen zu können. Er würde an seinem Krebs sterben. Das Therapieziel seitdem: Lebensverlängerung.

Ob Ferrara doch noch eine Chance auf Heilung bekommt, hängt entscheidend davon ab, ob er genug Geld für eine Behandlung im Memorial Sloan Kettering Cancer Center, einem weltweit führenden Krebszentrum in New York City, auftreiben kann. Dort möchte er eine auf ihn zugeschnittene Behandlung mit neuen Therapiemethoden beginnen, die Antikörper und Immunisierung beinhalten.

1,8 Millionen Euro Spendenziel

Mindestens ein Jahr, schätzt er, würde die Behandlung dauern. Ferrara und sein Bruder Vittorio, der ihn nach New York begleiten würde, sitzen auf gepackten Koffern. Stefano sagt: „Sobald New York mich ruft, gehe ich.“ Derzeit wartet die Familie darauf, dass seine medizinischen Unterlagen ins Englische übersetzt werden. Läuft alles nach Plan, schickt er sie kommende Woche an die Klinik, die daraufhin seinen Therapieplan erstellt und ihm ein Startdatum nennt. „Das Problem ist: Bis dahin muss das Geld da sein“, sagt sein Vater Giuseppe. Deshalb hat die Familie eine Online-Spendenkampagne gestartet. 1,8 Millionen Euro sollen zusammenkommen. Der Großteil davon, 1,4 Millionen Euro, ist als Vorauszahlung an die Klinik eingeplant, ein Teil ist auch für den Flug und weitere Kosten.

Die Kampagne wurde tausendfach geteilt, auch von zahlreichen Prominenten. Zwei Videos des YouTubers Bartmann, die er über Stefano Ferrara gedreht hat, wurden auf dem Online-Portal über 100 000 Mal angesehen. Auf seinem Instagram-Profil informiert Ferrara täglich über sich und seine Krankheit. In Geschäften in Ludwigshafen und Mannheim hat die Familie Spendenboxen aufgestellt und Flyer verteilt. Sein Onkel in Kanada hat dort ebenfalls eine Online-Kampagne gestartet. Über alle Kanäle seien bislang zwischen mehr als 200 000 Euro zusammengekommen, sagt Ferrara.



Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Je früher er die Therapie beginnen kann, desto besser. „Wenn das Geld nicht da ist, haben wir keine Chance. Null Komma Null“, sagt sein Vater. Seine Hoffnung ist, dass insbesondere große Spender wie Stiftungen, Unternehmen oder wohlhabende Privatpersonen eher dazu bereit sind, Geld zu geben, sobald ein genauer Kostenplan vorliegt.

Am 8. März 2017 – da war er 18 Jahre alt, entdeckten die Ärzte einen bösartigen Tumor im Kopf der Bauchspeicheldrüse. Ferrara zitiert die entscheidenden Daten seiner Krankheitsgeschichte auf den Tag genau aus dem Kopf. Dass ein junger Mensch an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt, ist extrem selten. Laut Deutscher Krebsgesellschaft liegt das mittlere Erkrankungsalter zwischen 72 und 75 Jahren. Das Geschwür wurde operativ entfernt. Ferrara machte eine Reha, bekam Chemotherapie. Er kam wieder auf die Beine. Knapp ein Jahr nach seiner Erstdiagnose führte er seine Eishockeymannschaft, den Mannheimer ERC, als Kapitän aufs Eis.

Im August 2018 war der Krebs zurückgekehrt – Metastasen in den Lymphknoten. Ferrara wurde erneut operiert, bekam erneut Chemo. Ein paar Monate blieb er krebsfrei. Im November 2019 bekam er Schmerzen im Lendenwirbelbereich, die Ärzte fanden einen schwarzen Fleck im Bauchraum. Die nächsten sieben Monate habe er jede Nacht in der Badewanne geschlafen, das warme Wasser habe die Schmerzen gelindert. Die entscheidende Diagnose kam im Juni: Bei der Verlaufskontrolle wurden neue Metastasen in den Lymphknoten festgestellt. Der Krebs würde sich nicht mehr heilen lassen, hieß es, sein Fortschreiten könne nur noch verlangsamt werden. Seitdem ist New York so etwas wie seine letzte Chance, den Krebs doch noch besiegen können.

Ferrara ist einer, der sich mit seinem Schicksal nicht einfach abfinden möchte, der stets nach einem neuen Ausweg sucht. „Ich weiß, dass ich den Krebs besiegen kann“, sagt er. „Stefano ist ein Kämpfertyp“, sagt Dennis Müller, Arzt am Diakonissenkrankenhaus, der Ferrara kürzlich behandelt hat. „Die meisten von uns würden sich bei seiner Diagnose wohl zurückziehen. Aber Stefano versucht, dafür zu sorgen, dass es weitergeht.“

Trotz allem ginge es ihm heute besser als vor vier Monaten, sagt er. Er bekommt mittlerweile Methadon, ein Opioid, das die Schmerzen lindert. Er hat aber während der Chemotherapie, die er gerade bekommt, stark abgenommen. Was ihm Kraft gibt? „Ziele. Ich möchte kämpfen, sagt Ferrara. Ich möchte meine Ausbildung beenden, noch an so viele Orte gehen. Es kann einfach noch nicht so früh vorbei sein.“

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