Mannheim

Sommerferien Ein Schuljahr unter besonderen Bedingungen geht zu Ende

„Die Meinungen sind gespalten“

Eine große Schülerschar, die lärmend und voller Freude auf die großen Ferien aus dem Schulgebäude stürmt: Solche Bilder wird es in diesem Jahr in Mannheim nicht geben. Die Schüler kommen in Intervallen in die Schule, um ihre Jahresabschlusszeugnisse entgegenzunehmen, unter Einhaltung der Abstandsregeln und Hygienevorschriften. Mit dem heutigen Tag endet ein Schuljahr, das Schüler, Eltern und Lehrer vor ungeahnte Herausforderungen stellte. „Es war alles sehr anders als das, was wir gewohnt sind“, fasst Heike Scholz, die zum Schulleitungsteam an der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried (IGMH) gehört, zusammen. Dennoch ist sie stolz auf das, was Schüler und Lehrer in der Corona-Krise geleistet haben: „Wir sind glücklich, dass unsere Kollegen und die Schüler an einem Strang gezogen haben, was die Regeln anging. Wir hatten keinen einzigen Corona-Fall, das ist bei 1648 Schülern bemerkenswert.“

Der Schulalltag an der IGMH begann in den letzten Wochen mit Händewaschen. Klassen wurden halbiert, der Unterricht doppelt gehalten. In versetzten Zeitschienen wurden vor allem Kernfächer unterrichtet, es gab aber auch Nebenfachunterricht. „Wir haben, glaube ich, das Maximale rausgeholt“, sagt Scholz, „wir haben viel gearbeitet, aber es hat sich gelohnt.“

„Ein bisschen Bauchschmerzen“

Für das kommende Schuljahr werde gerade ein normaler Stundenplan erstellt. Doch die IGMH arbeitet auch an einem Plan B – für den Fall, dass es wieder zu Schulschließungen kommt. „Insgesamt haben wir schon ein bisschen Bauchschmerzen, wie der ,normale’ Betrieb im nächsten Jahr aussehen soll“, sagt Scholz. In Elternbriefen habe die Schule darüber informiert, dass mit Tests und möglicherweise auch Quarantäne gerechnet werden müsse. „Wir werden auf jeden Fall die Schulhöfe getrennt halten, damit im Fall des Falles nur eine bestimmte Gruppe zu Hause bleiben muss und nicht die ganze Schule.“ Es seien aber noch viele Fragen offen, etwa bezüglich der Mensa oder der Spindnutzung.

„Der Unterricht war nicht anspruchsvoller als sonst“, findet Marit (18), die die 12. Klasse der gymnasialen Oberstufe beendet hat. Carina (17) musste nach den Osterferien länger zu Hause bleiben als die anderen, weil ihre Großmutter bei ihrer Familie wohnt. „Das war dann schon schwierig mit der Motivation. Ich war froh, als ich wieder in die Schule konnte.“

„Die Meinungen sind gespalten“, resümiert Stadtschülersprecher Dennis Klingenspohr das Corona-Schuljahr aus Schülersicht. „Für die Abiturienten und die Prüfungsklassen war es zum großen Teil gut, dass sie sich zu Hause selbstständig organisieren konnten.“ Bis etwa zur siebten Klasse sei das schwieriger gewesen. Teilweise hätten Schüler auch sehr viele Aufgaben bekommen, die allein zu bewältigen Probleme bereitete. Für Klingenspohr endet die Schulzeit mit diesem Sommer; dass viele Veranstaltungen – wie die Verabschiedung von Schülern und Lehrern – nicht wie gewohnt stattfinden konnten, bedauert er. Auch sieht der Stadtschülersprecher kritisch, dass die Sitzungen der Schülermitverantwortung (SMV) nicht stattfinden dürfen. Er hofft auf eine digitale Lösung. Positiv sieht Klingenspohr, dass die Digitalisierung von Schulen in den Fokus von Medien und Politik gerückt sei: „Es ist ein Zwang entstanden, sich damit zu beschäftigen.“ Für das neue Schuljahr wünscht er sich, „dass die Stimmen der Schüler gehört werden. Jede Entscheidung beeinflusst uns.“

„Die Verluste bei der Prüfungsvorbereitung waren nicht so groß wie befürchtet. Die kleineren Gruppen haben es leichter gemacht, den Stoff zu vermitteln“, sagt Harald Leber, Rektor der Humboldt-Werkrealschule und Sprecher der Real- und Werkrealschulen in Mannheim. Dennoch habe es vor allem bei den jüngeren Schülern Lernverluste gegeben: „Das Fernlernen ist für unsere Schulen wenig geeignet. Viele der Schüler haben keine eigenen Endgeräte, oft nicht mal W-Lan. Wir haben Geräte bestellt, aber das ist auch nur ein Fünftel von dem, was wir bräuchten.“ Kollegen seien mit dem Fahrrad zu den Schülern gefahren, um ihnen Aufgaben zu bringen und zu schauen, ob alles in Ordnung ist.

Für das neue Schuljahr erwartet Leber, dass vor allem Wissenslücken geschlossen werden müssen. „Es gibt Fächer, wo man Abstriche machen kann.“ Von der Politik wünscht er sich Flexibilität: „Man müsste den Schulen für die kommenden zwei Jahre mehr Freiraum lassen, ihren Unterricht so zu gestalten, wie es die Schüler brauchen.“

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