Mannheim

Die Pioniere leben schon da, 9000 werden ihnen folgen

Archivartikel

Mannheim.140 Hektar Baustelle – so ungefähr sieht das frühere Benjamin Franklin Village heute aus. In einigen Jahren soll daraus ein ganzes Stadtviertel entstanden sein, mit Schulen, Kindergärten, Geschäften und Wohnhäusern. Wir haben das Gelände besucht – ein matschiger Rundgang durch das Mannheim von morgen.

Franklin – so heißt ein neuer Stadtteil, der im Nord-Osten Mannheims entsteht. Benjamin Franklin Village, das war aber auch der Name einer US-Siedlung. Heute umfasst der Name das gesamte Quartier, die Amerikaner hatten das Gelände in mehrere Unterabschnitte aufgeteilt. Neben dem zentralen Franklin Village waren das noch die Kasernen Funari, Sullivan, das Columbus-Quartier und die Offizierssiedlung.

Die Amerikaner sind von der gesamten Fläche abgezogen, bis auf das Columbus-Quartier direkt an der B 38 ist alles an die Stadt Mannheim und ihre Tochtergesellschaft MWSP verkauft. Aus Franklin soll in den kommenden Jahren ein neuer Stadtteil entstehen – mit vielen Wohnmöglichkeiten, Kindergärten, einer Grundschule und am Rand Gewerbe. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Das Projekt ist eines der größten städtebaulichen Vorhaben Deutschlands. In Mannheim sind zuletzt in den 60er und 70er Jahren ganze Stadtteile in dieser Größenordnung neu entstanden – etwa genau auf der anderen Seite der B 38 die Vogelstang und dann später noch das Rott.

Heute sieht es auf Franklin aber ganz anders aus: Nicht mehr wie eine Kaserne wie zu Zeiten der Amerikaner. Aber noch nicht wie ein neuer Stadtteil. Noch ist das Gelände eine riesige Brachfläche, die immer mehr zur Baustelle wird. Baugruben, große Pfützen, Erdbraun ist der vorherrschende Farbton. Doch mittendrin leben schon die ersten neuen Frankliner – sowohl in der Offizierssiedlung am Rande als auch im Bereich Franklin-Mitte sind einige Gebäude fertig und bezogen. Wer hier wohnt, wird hautnah miterleben, wie sich das neueste Stück Mannheim direkt am Käfertaler Wald wandeln wird.

Die Entwicklung des Geländes ist ambitioniert: Die kommunale MWSP hat die 140 Hektar große Fläche in kleine Sektoren aufgeteilt und einzeln an Investoren vergeben. Die bauen je nach Vorgaben ganz unterschiedlich. So soll am Rande der Stadt alles entstehen: von Sozialwohnungen über bezahlbare Mietwohnungen bis hin zu Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern.

Politisch wurde dabei lange um den Eigentumsanteil gerungen. Besonders die CDU fordert schon lange, dass in Mannheim mehr Wohneigentum entsteht. Das habe Vorteile für alle, weil so ja auch wieder Mietwohnungen frei würden. Vom gesamten Wohnraum, der auf Franklin entsteht, sollen darum 52 Prozent als Eigentum verkauft werden – das liegt deutlich über dem gesamtstädtischen Schnitt von rund 25 Prozent.

Der Zeitplan sieht vor, dass der Stadtteil bis etwa 2025 mehr oder weniger fertig sein soll. Rund 9000 Menschen sollen dann dort leben, ein Verkehrskonzept soll sie mit der Stadt und Region verbinden. Wer will, kann sich Mannheims jüngsten Stadtteil schon ansehen: Die Schranke ist weg, seit dort die ersten Menschen leben. Derweil beschäftigt die Stadtplaner eine andere Frage: Wie sich ein Quartier, das so nah am Wald liegt, vor streunenden Wildschweinen schützen lässt. Die Zäune rund um Franklin werden vorerst noch bleiben.

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