Mannheim

Technoseum Fotoausstellung vom Verein Industriekultur zeigt Bilder von Wassertürmen und Wasserwegen

Die Poesie der Industriebauten

Archivartikel

Sie zeigen ungewöhnliche Perspektiven, faszinierende Kompositionen aus Farbe, Licht und Wolken sowie Stellen von Industrie sowie Natur in Mannheim, an die sonst kaum jemand kommt: die Bilder der Fotoausstellung „Wassertürme und Wasserwege in der Metropolregion“ des Vereins Rhein-Neckar-Industriekultur, die jetzt im Technoseum eröffnet worden ist.

„Ich hätte nicht gedacht, dass Sie in so großer Zahl kommen“, schaut Hartwig Lüdtke, der Direktor vom Technoseum, erfreut in das überfüllte Auditorium seines Hauses. Gerne beherberge er die „kleine, aber feine Ausstellung“. Einerseits böte sie spannende, ungewohnte Sichtweisen, andererseits mache sie auch die Bedeutung des Erhalts alter Bauten der Industriekultur deutlich, sagte Lüdtke. Dieses Anliegen des Vereins „passt auch gut zu unserem Museum“, so der Direktor.

Hilde Seibert vom Verein Rhein-Neckar-Industriekultur dankte Lüdtke, dass der Verein bereits zum dritten Mal mit einer Ausstellung im Technoseum zu Gast sein darf. Zudem würdigte sie die Arbeit der Jury um die Fotografinnen Gudrun Keese, die viele Jahrzehnte für den „MM“ tätig war, und Barbara Straube. Sie wählte aus 86 eingereichten Arbeiten 56 Aufnahmen aus, die in Farbe oder schwarz/weiss, dokumentarisch oder künstlerisch, digital oder analog „eine gelungene Synthese zwischen Fotokunst und Industriekultur“ böten, so der Verein. Dabei sind Arbeiten von mehreren Hobbyfotografen, von Künstlern, aber auch von prominenten Vertretern der Zunft wie der Fotokünstler Thommy Mardo oder der auch für den „MM“ tätige Fotografenmeister Thomas Rittelmann.

Sie zeigen Wassertürme von Mannheim und der Region, gestatten auch einen Einblick in das – sonst verborgene Innere etwa des Mannheimer Wahrzeichens. Schleusen, Schleusenkammern, die Arbeit im Hafen und auf Schiffen ist ebenso Thema wie die nahezu unberührte Natur wie am Bellenkrappen, am Altrhein, bei Wallstadt. Thommy Mardo aber steuert Aufnahmen bei, die gar nicht zu verorten sind – von der enormen Spannung, auch Brüchen auf der Wasseroberfläche.

Weltoffene Stadt

Viele der Bilder würden „den Zweckbauten eine eigentümliche Poesie abringen“, so Kulturjournalistin Annika Wind in ihrer Einführung. Sie blickte zurück auf die Zeit, als die beiden Wasserwege Rhein und Neckar immer mehr begannen, für die Menschen, den Bau von Siedlungen, die Entwicklung von Handel und Industrie an Bedeutung zu gewinnen.

Eine „Goldgräberstimmung“ habe der Hafen in Mannheim ausgelöst und sei noch heute ein großer Wirtschaftsfaktor. Wasserwege hätten zugleich geholfen, dass Mannheim so weltoffen sei wie heute. „Zuwanderung gab es hier immer und die damit verbundenen Herausforderungen, aber sie wurden gemeistert“, so Wind. Doch die Bilder erzählten nicht allein von einem wichtigen Teil der Industriegeschichte, sondern fingen zugleich das Spannungsfeld zwischen Industrie und Natur ein.

Zunächst bis 3. November im Technoseum geplant, ist die Fotoschau als Wanderausstellung konzipiert und soll danach in weiteren Orten der Metropolregion gezeigt werden.