Mannheim

Filmschätze Luftaufnahmen von 1926 zeigen den Ehrenhof des Mannheimer Schlosses noch mit Denkmal und Brunnen sowie den Nibelungensaal des Rosengartens

Die unzerstörte Stadt von oben

Archivartikel

So hat man Mannheim noch nie gesehen: Luftbilder von den Quadraten, der Neckarstadt und der Oststadt, im Juni 1926 von einem Flugzeug aus gedreht, zählen zu den ganz besonderen Filmschätzen in den Beständen vom Marchivum. Fast wären sie unwiederbringlich verlorengegangen.

Der Film trägt den Titel „Bilder vom Süd-Deutschland-Flug und Einweihung des Flugplatzes Mannheim-Heidelberg-Ludwigshafen“. Er ist entstanden bei der Feier zur Eröffnung des Flugplatzes Neuostheim vom 31. Mai bis 6. Juni 1926. Bereits im Jahr zuvor hat die Badisch-Pfälzische Luftverkehrs-AG den direkten Flugverkehr Mannheim-Berlin über Frankfurt-Halle aufgenommen – aber noch von Sandhofen aus. 1926 fusioniert dann die Badisch-Pfälzische Luftverkehrs AG mit der Badischen Luftverkehrs AG Karlsruhe zur Badisch-Pfälzischen Lufthansa und verlagert den Flugverkehr von Sandhofen nach Neuostheim.

Der Film kam, so berichtet die beim Marchivum für die audiovisuelle Sammlung zuständige für Désirée Spuhler, über die Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar ins Archiv. „Ein wahrer Glücksfall, denn der Nitro-Film lagerte dort nicht fachgerecht“, so Spuhler. Dabei handele es sich nämlich um ein leicht entflammbares Material. „Das muss unbedingt gekühlt gelagert werden, was es nun im Kältemagazin des Marchivum tut“, betont sie.

Die Aufnahmen, zu denen man das ständige Brummen des Flugzeugs hört, sind zwar etwas verwackelt und nicht alle scharf – aber sie zeigen Mannheims Schönheit vor den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Offenbar ist bei dem Flug auch nicht ständig die Kamera mitgelaufen oder nur ein Fragment erhalten. Jedenfalls sieht man zunächst den Handelshafen mit erkennbar wenig Kränen – entladen wird meist noch von Hand.

Dann geht es über die Quadrate zum Schloss. Der Barockbau hat noch überall sein ursprüngliches Mansarddach. In der Mitte vom Ehrenhof erkennt man das 1894 aufgestellte zentrale Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I., zudem die 1898 von Bernhard Herschel gestifteten beiden Denkmalbrunnen mit den Figuren von Rhein und Neckar, dazu große Rasenflächen, Magnolienbäume und die beiden Wachhäuschen.

Üppiger bepflanzt

Am Paradeplatz ist das Alte Kaufhaus zu sehen, dann entlang der Breiten Straße – mit noch vielen prachtvollen Bürger- und Handelshäusern – der Marktplatz. Noch nicht bebaut ist der Bereich der heutigen Quadrate K 1/U 1. Direkt Richtung Neckar sieht man viele Freiflächen. In der – nachträglichen – Vertonung ist dann von der Kurpfalzbrücke die Rede, die existiert damals aber noch gar nicht. Es handelt sich um die 1891 vom badischen Großherzog eingeweihte, nach ihm benannte Friedrichsbrücke mit ihren großen eisernen Trägern.

Nach einem Schwenk über Alte Feuerwache, Messplatz und Max-Joseph-Straße folgt ein Schnitt, dann wieder die Oststadt mit ihren prächtigen Villen. Der Rosengarten ist noch komplett – mit dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten, so nie wieder aufgebauten Nibelungensaal, mit einer Kapazität von 6000 Plätzen einer der größten Säle in Deutschland. Und der ganze Friedrichsplatz ist auch weitaus üppiger bepflanzt als heute – ein Beet etwa, von oben gut erkennbar, ist gestaltet in Form der Wolfsangel aus dem Mannheimer Stadtwappen.

Info: Film und Dossier unter: morgenweb.de/filmschaetze

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