Mannheim

Die Welt ändern

Immer wieder sagt mir jemand: „Ist ja nett, was ihr da tut mit eurer Vesperkirche, Armen zu essen geben, Leute medizinisch versorgen, die sonst nicht versorgt würden, Wohnung suchen und Hilfe für die paar hundert die da kommen – aber die Welt ändert das nicht!“ António Guterres hat 2017 zu einem denkbar schlechten Jahr erklärt.

Zu Jahresbeginn hatte er noch ein Jahr des Friedens ausgerufen, sein Jahresrückblick ist niederschmetternd: Alte bewaffnete Konflikte haben sich verschärft, neue sind ausgebrochen. Die Welt fürchtet nukleare Waffen so sehr wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Verletzungen der Menschenrechte, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit steigen weiter an, der Klimawandel droht außer Kontrolle zu geraten – Alarmstufe ROT sagt der UNO-Generalsekretär.

Vesperkirche wichtig

Aber gerade deswegen und genau jetzt gilt es festzuhalten an allem was die Welt zum Guten ändert – im Kleinen ebenso wie im Großen! Genau deswegen ist die Vesperkirche so wichtig! Da kommt eine trotzige mutige Gemeinschaft zusammen die darauf besteht, dass es einen Unterschied macht, ob wir da jeden Tag Brötchen schmieren, spülen, bedienen, Kaffee kochen, zuhören, rumtelefonieren für fünfhundert oder mehr Hilflose, Haltlose, Obdachlose, Verzweifelte, Menschen deren Leben aus den Fugen geraten und schmerzerfüllt ist und die immer und überall erleben, dass sie vor allem nix bekommen. Immer wieder: in der Schlange stehen, abgewiesen werden. Müde Seelen, verzagte Geister werden hier mit Freundlichkeit versorgt, bedient, beschenkt – und schenken so viel zurück.

Denn alle die hier mitarbeiten erleben vor allem eins: Es macht einen Unterschied! Jede und jeder einzelne von uns kann die Welt verändern! Vielleicht nur für einen Moment, vielleicht nur ein ganz kleines bisschen – aber es ist nicht egal, wie du lebst und was du tust. Aus dieser Erfahrung wachsen Trotz und Mut.

Und aus Gästen und Ehrenamtlichen erwächst eine verschworene Gemeinschaft derer die nicht aufgeben, die weiter hoffen, die die Finsternis nicht hinnehmen.

Wir nehmen nicht hin, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen angepöbelt und ausgegrenzt werden; wir nehmen nicht hin, dass Geflüchtete missbraucht werden, um auf ihre Kosten Stimmen zu machen; wir nehmen es nicht hin, dass in unserem reichen Land die Armut wächst, dass es immer weniger Wohnungen gibt für Geringverdiener. Wir nehmen es nicht hin, wenn sie sagen, die Obdachlosen wollten das ja alle so. Und wer in diesem reichen Land nicht wohlhabend sei, sei selbst schuld. Wir nehmen die Ungerechtigkeit und die Gewalt nicht hin.

Finsternis erhellen

Gott nimmt es nicht hin und geht mitten hinein in die Finsternis, in den Stall der Armut. Wir laufen ihm nach und erfahren: Die Finsternis machst du am besten mitten in der Finsternis hell und noch besser – nicht allein.

Und es gelingt: Eine Hand sollte amputiert werden, aber hier jeden Tag frisch verbunden heilt sie. Einer, der nicht wusste, wo er übernachten sollte, findet ein Bett. Und einer macht nun endlich eine Therapie, nach über dreißig Jahren Sucht. Und sagt: „Sie werden es nicht glauben, ich glaube es selbst kaum, aber das wird ein neues Leben!“

Die Welt ändern hier und heute ein Stück, ich vertraue darauf: Gott ist dabei!

Ilka Sobottke, Pfarrerin City-

GemeindeHafen-Konkordien