Mannheim

Doch so viele!

60 000Messdiener bei einem einzigen Gottesdienst? Das können Sie sich nicht vorstellen? Dann fahren Sie das nächste Mal mit nach Rom, wenn sich dort wieder Tausende von Jugendlichen aus aller Welt zur Internationalen Ministrantenwallfahrt treffen. Vor einer Woche bin ich mit meiner Gruppe von eben dieser Wallfahrt zurückgekehrt. Sechs Tage lang war die ewige Stadt von Messdienern bevölkert, unübersehbar mit ihren Pilgertüchern, den Strohhüten und den Wallfahrts-T-Shirts.

Besuch beim Schutzheiligen

Allein das Erzbistum Freiburg war mit 8500 Ministrantinnen und Ministranten vertreten, die Papst Franziskus „live“ erlebten, den Petersdom (trotz stundenlangen Wartens in der prallen Sonne) besichtigten und in die Katakomben abtauchten. Dort liegt auch der Schutzheilige der Ministranten begraben: Tarcisius. Tarcisius, so wird es überliefert, war ein 15-jähriger Junge, der in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christus in Rom lebte. Er gehörte der verfolgten christlichen Gemeinde an.

Als Tarcisius einigen im Gefängnis eingesperrten Christen die heilige Kommunion bringen wollte, traf er auf einige Spielkameraden. Sie fragten ihn, ob er mitspielen wolle, doch Tarcisius schüttelte den Kopf, immer darauf bedacht, das Brot gut in seinen Händen zu verstecken. Seine Kameraden ließen nicht locker und wollten wissen, was er denn da verberge. Doch auch dazu sagte Tarcisius nichts. Die anderen wurden wütend, verprügelten ihn und warfen mit Steinen nach ihm. Ein Stein traf Tarcisius tödlich am Kopf. Bis zuletzt aber hielt er der Legende nach die heilige Kommunion fest in seinen Händen.

„Wir sind nicht allein!“

Auch wenn die heutigen Ministrantinnen und Ministranten, zumindest in Europa, nicht mehr aufgrund ihres Dienstes um ihr Leben fürchten müssen, machen sie oft die Erfahrung: Wir werden immer weniger. Und genau dafür war die Rom-Wallfahrt wichtig. Denn sie haben gesehen: Wir sind doch nicht allein! Wir sind doch nicht die einzigen in unserem Alter, die sich Sonntagmorgens zum Kirchgang aufmachen. Wir sind nicht die einzigen, die wahrscheinlich auch mal einen schrägen Blick der Klassenkameraden abbekommen à la „Was, du gehst freiwillig in die Kirche?“. Wir sind nicht die einzigen in unserer Altersstufe, denen der Glaube an Gott wichtig ist.

Zusätzliche Motivation

Und das finde ich richtig gut! Denn mit den Ministrantinnen und Ministranten haben wir Kinder und Jugendliche in unseren Gemeinden, die ganz öffentlich bekennen, dass Gott in ihrem Leben einen Platz hat. Das zeigen sie nicht nur durch ihren Dienst am Altar in den Gottesdiensten. Sie machen es auch ganz konkret erfahrbar, indem sie in Gruppenstunden oder Lagerfreizeiten eine Gemeinschaft schaffen, die Halt gibt und in der man viel Spaß haben kann. Oft setzen sie sich auch noch für andere ein – wie die Minis in meiner Seelsorgeeinheit in ihrer Weihnachtsaktion, bei der sie Selbstgebasteltes und Selbstgebackenes verkaufen, um Spenden für ein Hilfsprojekt zu sammeln.

Die Rom-Wallfahrt war für viele dann auch ein zusätzlicher Motivationsschub, zu ihrem „Ministranten-Dasein“ zu stehen. Ein Mädchen aus meiner Rom-Gruppe fasste es so zusammen: „Es tat richtig gut, zu sehen, dass wir doch so viele sind!“

Judith Rahmann, Pastoral-

referentin in der Seelsorge-

einheit (SE) Hemsbach.