Mannheim

Interview Gerd Hüttmann vom Allgemeinen Fahrrad-Club Mannheim über umweltschonende Mobilität, Lebensqualität in Städten und das Festival am Samstag

„E-Bike kann Ersatz fürs Auto werden“

Es wird zwar eine Nummer kleiner als vergangenes Jahr beim 200. Geburtstag des Fahrrades. Aber auch am Samstag dreht sich bei „Monnem Bike“ alles ums Fahren auf zwei Rädern. Im Telefoninterview spricht Gerd Hüttmann, der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Mannheim, über die Mobilität der Zukunft.

Herr Hüttmann, „Monnem Bike“ will das Fahrrad, aber auch die Themen Mobilität und Lebensqualität einer Stadt in den Mittelpunkt rücken. Was kann eine solche Veranstaltung hier leisten?

Gerd Hüttmann: Wir haben es vergangenes Jahr gesehen: Bei einem solchen Festival sehen die Menschen, dass das Stadterlebnis ein anderes sein kann, wenn die Straße nicht ausschließlich den Autos gehört. Das regt zum Nachdenken an, wie wir die Städte gern hätten.

Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus?

Hüttmann: In einer Stadt muss es darum gehen, kurze Wege mit umweltfreundlichen Fortbewegungsmitteln zurückzulegen, also zu Fuß oder mit dem Rad. Und längere Wege, etwa aus den Außenbezirken oder wenn Menschen schlecht zu Fuß sind, mit Straßenbahn und Bus.

Spielt das Auto keine Rolle mehr?

Hüttmann: Nur da, wo es nicht anders geht. Krankentransport, Handwerker, Müllabfuhr, Menschen mit weiten Wegen am frühen Morgen oder am Abend – die brauchen natürlich auch künftig das Auto. Der Kfz-Verkehr ist sich heute allerdings teilweise selbst im Weg – das zeigen die Staus genauso wie die vielen abgestellten Autos im öffentlichen Raum.

Welche Rolle spielen Elektroautos in der Zukunft?

Hüttmann: E-Mobilität heißt für mich in erster Linie Straßenbahn oder Eisenbahn. Weil Elektroautos nicht die Reichweite haben, muss man für weite Strecken ohnehin auf die Bahn ausweichen. Und auch E-Autos stehen im öffentlichen Raum herum.

Wie ist Mannheim mit Blick auf die neue Mobilität aufgestellt?

Hüttmann: Für seine Größe hat Mannheim einen sehr guten öffentlichen Nahverkehr. Abends alle zehn bis 20 Minuten eine Straßenbahn, das ist nicht schlecht. Auch der Regionalverkehr hat attraktive Strecken. Ich arbeite in Heidelberg, da habe ich von Mannheim aus pro Stunde fünf Züge. Einen großen Schritt vorwärts gebracht haben uns die Leihräder von Nextbike als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Auch beim Radverkehr machen wir uns auf den Weg, gut zu werden, Beispiele dafür sind die Radspuren auf dem Ring oder in der Bismarckstraße sowie der Ausbau der Radstraßen. Das wurde mit der Auszeichnung als fahrradfreundliche Stadt gewürdigt.

Was muss noch besser werden?

Hüttmann: Es könnten zum Beispiel noch deutlich mehr Menschen sein, die das Car-Sharing-Angebot nutzen. Auch müsste es mehr Stellplätze für Fahrräder geben. Dass die Räder nicht an Schilder oder Zäune angekettet werden, das ist im Interesse aller. Umfragen des ADFC haben darüber hinaus gezeigt, dass die Ampelschaltungen und die Führung an Baustellen zu verbessern sind.

Dass umweltfreundliche Mobilität gut für die Lebensqualität ist, liegt auf der Hand. Wo gibt es darüber hinaus Wirkungen zwischen Mobilität und Lebensqualität?

Hüttmann: Wenn die Innenstadt nicht voller Autos ist, steigen die Lebensqualität und die Attraktivität zum Wohnen. Wer in der Stadt wohnt, hat kurze Wege, was ebenfalls Lebensqualität sein kann.

Worauf freuen Sie sich bei „Monnem Bike“ am meisten?

Hüttmann: Auf die holländischen Musiker auf dem Sechser-Tandem – die sind klasse.

E-Bikes, genauer gesagt sogenannte Pedelecs, werden immer beliebter. Was sagt ein Vielradler wie Sie, der mit einem Gefährt ohne Hilfsmotor unterwegs ist, zu dieser Entwicklung?

Hüttmann: Wenn das E-Bike Menschen aufs Rad bringt, die vorher etwa wegen körperlicher Gebrechen oder wegen zu weiten Entfernungen nicht das Rad nutzten, dann ist es eine gute Geschichte. Wenn die Menschen, die vorher nur geradelt sind, aufs E-Bike umsteigen, dann ist das natürlich nicht so gut, weil zusätzlicher Strom verbraucht wird. Aber gerade mit Blick auf den geplanten Radschnellweg Mannheim-Heidelberg-Pfalz kann das E-Bike ein Ersatz fürs Auto werden.