Mannheim

Schloss Porzellantisch von Carl Theodor vom Land erworben / „Ordentlich fünfstellig“

Edles Möbel des Kurfürsten

Er steht unscheinbar an einer Wand: ein Konsoltisch, barock verziert. Aber für Michael Hörrmann ist er „der absolute Glücksfall, wie wenn Weihnachten und Ostern zusammenkommen“. Denn die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, deren Geschäftsführer er ist, konnten jetzt diesen Konsoltisch für das Mannheimer Schloss erwerben. Es stammt nachweislich noch von Kurfürst Carl Theodor und gilt als das weltweit größte aus Porzellan gefertigte Möbelfragment.

An Fronleichnam wurde das Exponat in einer Auktion in Berlin angeboten. Für Uta Coburger, für Mannheim zuständige Konservatorin der Staatlichen Schlösser und Gärten, war es „eine unglaublich aufregende Erfahrung“, dort mitzubieten. Es gab einige Bieter, der Schätzpreis vor der Auktion lag zwischen 30 000 und 40 000 Euro. Bei welchem Betrag der Hammer fiel, wollte Hörrmann nicht verraten. „Ordentlich fünfstellig“, sagte er nur.

Klar ist, dass 13 000 Euro von der Kulturstiftung der Länder beigesteuert wurden. Deren Dezernentin Stephanie Tasch begründete das mit dem „großen Einsatz und der Energie“, mit der Coburger für den Ankauf geworben habe. Zuständig für die Rettung von Kulturgut von nationalem Rang, sei für die Stiftung aber schnell klar gewesen: „Das ist ein Stück Kulturgut, das kommt von hier und muss wieder hier her“, so Tasch mit Blick auf das Schloss.

Bei Auktion aufgetaucht

Nicht nur das Monogramm des Herrschers, gekrönt durch den Kurhut, weist das Objekt als Mobiliar von Carl Theodor aus. Auch zwei Inventarverzeichnisse, von 1775 und 1799, belegen es. Doch es sei „nicht irgendeine Ergänzung, sondern ein Prunkstück“, wie Hörrmann betonte, denn es zeige durch seinen Prunk Carl Theodors Selbstverständnis als Kurfürst von besonderem Rang: „Hier war ja ein Hof von europaweiter Ausstrahlung“, so Hörrmann.

Das, so Coburger, „hervorragende, ungewöhnliche Stück“ wird dem Hofbildhauer Frank Conrad Link (1730-1793) zugeschrieben und entstand um 1765/70 in der Porzellanmanufaktur Frankenthal aus 61 Einzelteilen: „Ein Unikat und technisches Meisterwerk!“ Irgendwann ging es zu Bruch, und das Hauptstück aus Porzellan wurde an einen aus Lindenholz geschnitzten Konsoltisch montiert. Wann und wie es aus den kurfürstlichen Beständen dann in Privatbesitz landete, ist unklar. Jedenfalls tauchte das Exponat schon 1991 bei einer Auktion in New York auf, dann 1998 und nun wieder.

Mannheim hätte es schon einmal erwerben können – daran erinnerte sich die jetzt als Gutachterin hinzugezogene Barbara Beaucamp-Markowsky, führende Spezialistin für Porzellan aus der Manufaktur Frankenthal, die damals für die Reiss-Engelhorn-Museen arbeitete. Doch sie habe es aus Steuergeldern „nicht gewagt, nach New York zu reisen“, da man von Mannheim aus nicht wissen konnte, ob es wirklich ein Original von Carl Theodor ist.

Nun ist es belegt und es handelt sich um eines der wenigen Stücke aus seiner Ära (1724-1799) im Schloss – denn das meiste Möbel stammt ja aus badischer Zeit.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/mannheim

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