Mannheim

Porträt Andre Haug zum Vizepräsidenten der Bundesrechtsanwaltskammer gewählt / Eintreten für Unabhängigkeit

Ein Anwalt der Anwälte

Archivartikel

„Mal dagegenhalten“ ist eines seiner Motive, sagt Andre Haug kämpferisch: „Und ich will auch nicht denken, dass andere das schon irgendwie machen – ich mache es selbst.“ So begründet der 48-jährige Mannheimer Anwalt, warum er bei der Hauptversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) in Bremen als neuer Vizepräsident antrat. Er wurde gewählt, steht jetzt mit an der Spitze der gesamten Anwaltschaft in Deutschland.

Berufspolitisch engagiert

Der Präsident schied aus gesundheitlichen Gründen ein Jahr vor Ende der Amtsperiode aus, ein Vize folgte ihm. Damit ergab sich für Haug die Chance, auf dessen Posten nachzurücken – und er nutzte sie, war auch der Wunschkandidat des neuen Präsidenten Ulrich Wessels aus Münster. Etwa ein Tag in der Woche ist Haug, auf gewerblichen Rechtsschutz, Wettbewerbs- und Vergaberecht spezialisierter Partner der mittelständischen, traditionsreichen Mannheimer Sozietät Rowedder Zimmermann Hass, nun ehrenamtlich unterwegs, dazu kommen einige Abende.

Seine Frau, die 20-jährige Tochter und die beiden 16-jährigen Zwillinge sehen ihn damit seltener – aber die Tochter ist auch einer der Gründe für sein Engagement. Sie studiert jetzt Jura. „Und bei dem, was ich mache und wofür ich mich einsetze, geht es letztlich um die Zukunft von unserem Berufsstand – das Ansehen, die Arbeitsbedingungen“, so Haug.

Derartiges Engagement ist ihm, ist auch seiner Kanzlei nicht fremd. „Mehrere Kollegen waren früher oder sind aktuell noch berufspolitisch engagiert“, sagt Haug. Das prominenteste Beispiel ist Ralph Landsittel, Vorsitzender des Mannheimer Anwaltvereins. Und schon bisher arbeitete Haug ja als Präsident der Rechtsanwaltskammer Karlsruhe sowie in mehreren Gremien auf Bundesebene mit.

Mit an die Spitze der Kammer ist er in schwieriger Zeit gerückt. In ihrer Verantwortung liegt die Entwicklung des „besonderen elektronischen Anwaltspostfaches (beA)“. Obwohl auf dem Papier eine Nutzungspflicht für alle Anwälte gilt, wurde es Ende 2017 abgeschaltet – Experten hatten massive Sicherheitslücken entdeckt.

Haug ist damit aber nicht befasst. Ihm liegen sowohl die Kontakte nach Osteuropa und Nordafrika am Herzen, wo die Kammer hilft und er immer mal wieder hinfliegt, rechtsstaatliche Regelungen durchzusetzen, als auch das Berufs- und Ständerecht. Ein brisantes Thema ist dabei zum Beispiel der Datenschutz. Die Idee, dass Datenschutzbeauftragte den Anwälten auf die Finger und in die Unterlagen schauen, behagt den Vertretern der Zunft überhaupt nicht. „Wir Anwälte unterliegen von Berufs wegen einer gesetzlich geregelten, strafbewehrten Verschwiegenheitspflicht – da darf ich aber auch einem Datenschutzbeauftragten nicht einfach Einblick gewähren“, argumentiert Haug. Dazu bräuchte man „eine gesonderte rechtliche Regelung für Anwälte, wie es ja auch die Kirchen haben“, schlägt der Jurist vor.

Zudem will er „weiter für die Unabhängigkeit des Berufs kämpfen“, sagt Haug. Skeptisch ist er daher gegenüber der Idee, dass berufsfremde Personen Teilhaber von Großkanzleien werden können. „Wir wollen, das Anwälte weiter nur dem Mandanten verpflichtet sind, keinen Teilhabern, die nur auf das Kapital schauen“, betont er.

„Bald fällig“ ist nach seiner Ansicht zudem die Überarbeitung der Gebührenordnung, deren Sätze seit fünf Jahren unverändert seien. Schließlich ist ihm wichtig, „generell das Ansehen des Rechtsstaats und der Anwaltschaft in der Bevölkerung zu stärken, auch die Bedeutung einer unabhängigen Anwaltschaft deutlicher bewusstzumachen“. Dafür werde er eben noch öfter unterwegs sein. „Ich muss eben noch mehr mobil arbeiten, das geht heute zum Glück einfacher als früher“, so Andre Haug: „Da bin ich gut aufgestellt!“