Mannheim

Ein Beruf bei der Kirche?!

Archivartikel

Arbeitest du echt für die Kirche?“ Diese Frage bekomme ich das ein oder andere Mal gestellt, wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde. „Ja“ – sage ich dann, „und das sehr gerne.“ Ich bin Gemeindereferentin mit Leib und Seele. Ist das in der heutigen pluralen Gesellschaft noch eine Berufsoption? Vor allem für junge Menschen? Wie ich darauf komme?

Diese Woche besuchte mich im Pfarrbüro ein neunjähriges Mädchen, das ein Referat schreiben sollte zum Thema Vorbilder. Die Klasse hatte Beispiele gesammelt, darunter Heilige, den Papst, Politiker, wichtige Menschen aus Wissenschaft und Technik. Aber dieses Mädchen wollte ein Referat über mich und meinen Beruf schreiben.

Glauben entdecken

Mit zwei Seiten Fragen kamen sie und ihre Mutter zu mir: „Du bist mein Vorbild!“ Ein klein wenig stolz war ich schon als sie das zu mir sagte, damit hätte ich gar nicht gerechnet. „Ich will mal so werden wie Du.“ Vor zwei Jahren hatte ich dieses Mädchen und ihre Familie bei der Erstkommunionsvorbereitung begleitet. Und es gibt ja böse Zungen die behaupten, es würde bei den Kindern und Familien nichts, oder nur wenig hängen bleiben. Hier erlebe ich das Gegenteil.

Wieder erste Schritte in der Kirche gehen, sich ausprobieren, Glauben entdecken. Vielleicht braucht es vielmehr das Gespräch miteinander. Mal zu fragen: „Und an was glaubst du?“ Wie stellst du dir Kirche von morgen vor? Dabei dürfen wir die Lebensrealitäten der Menschen nicht außer Acht lassen. Hier spüre ich ein ganz großes Vertrauen in Gottes heiligen Geist, der in den Menschen, auch in den ganz Kleinen wirkt. Unsere kirchlichen Berufe können genau das ermöglichen. Wir möchten „Türöffner“, „Wegbegleiter“, „Neugierwecker“, „Talentverstärker“, „Querdenker“, „Mutmacher“ und „Chancengeber“ für die Menschen sein.

Ich sehe hier ein spannendes Feld, Menschen aller Generationen für den Glauben zu begeistern. Ich verstehe ich mich selbst als Zuhörende und Begleiterin, damit die Menschen mit dem in Berührung kommen, was sie erfüllt und zu dem macht, was sie sind. Ich kann mir keine schönere Aufgabe vorstellen, als Menschen in allen Lebenslagen auf dem Weg des Glaubens zu begleiten, gemeinsam mit ihnen nach Gott zu fragen, ihn in ihrem Leben zu entdecken.

Neue Räume öffnen

In der Nachfolge Jesu setzen wir auch auf neue Projekte, die Lust auf Kirche machen und neue Formen von Katechese, die für die unterschiedlichen Lebenssituationen der Menschen sinnvoll sind. Deshalb ist es unerlässlich neue pastorale Räume und Orte in den Blick zu nehmen, um dort geistliches, gottesdienstliches und soziales Leben zu ermöglichen. Dieses Mädchen hat wohl bei der Erstkommunionsvorbereitung erfahren, wie ich diesen Beruf ausübe und wie viel Freude er mir bereitet. Sie möchte unbedingt Gemeindereferentin werden. Ist das nicht Wirken des Heiligen Geistes, so früh schon seine von Gott geschenkten Charismen zu entdecken?

Menschen brauchen Glaubenszeugen, die ihnen Antworten geben können, oder sich mit ihnen auf den Weg machen selbst Antworten zu finden. Wir alle sind gefragt, von Gottes Evangelium zu erzählen und am Reich Gottes mit zu bauen. Vielleicht ist ja ein Beruf bei der Kirche auch für sie denkbar?!

Eva-Maria Ertl

Praktische Theologin Gemeindereferentin in der Seelsorgeeinheit Mannheim St. Martin (B.A.)