Mannheim

Graffiti Streetart-Künstler Gonz schafft im Schlossgarten ein Gemälde, das derzeit viel Aufmerksamkeit bekommt – es zeigt den getöteten Afroamerikaner George Floyd

Ein Bild mahnt: „Es kann jeden treffen“

Archivartikel

Er malte George Floyd vor dem berühmten Ausspruch „I can’t breathe!“ (auf Deutsch: Ich kann nicht atmen). Der Satz, der seit einem ähnlichen tödlichen Vorfall 2014 zu einer Art Parole gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt in den USA geworden ist. Der Straßenkünstler Gonz hat an einer Unterführung im Schlossgarten ein Bild geschaffen, das derzeit viel beachtet wird – und in sozialen Netzwerken von Zehntausenden Menschen gesehen wird.

„Ich kann die Wut und die Trauer verstehen.“ Das sagt Künstler Gonz zu den jüngsten Protesten und Unruhen in den USA: „Rassismus in den USA ist allgegenwärtig.“ Der gebürtige Chilene hat als Latino viele schlechte Erfahrungen machen müssen, gerade in den USA. Dort lebte er fast sieben Jahre in New York. Und dennoch, ausgerechnet in der als Schmelztiegel vieler Kulturen bekannten Metropole habe er seine „Identität wieder gefunden, in der Bronx, Uptown“. Hip-Hop und Graffiti inspirieren ihn, in Deutschland avancierte er früh zum Star der Szene, seine anspruchsvollen, komplizierten und sauberen Bilder machten ihn zum „King of Graffiti“, dem König der Graffiti, wie ihn Kollegen ehrfürchtig nennen.

Nach einer längeren künstlerischen Pause kam er vor gut fünf Jahren wieder zurück zur Streetart und malte wieder auf öffentlichen Wänden. „Ich musste Druck abbauen“, sagt er in Anspielung auf die jüngsten Ereignisse. „Ich wollte ohnehin etwas malen an dem Tag, ich wollte vor ein paar Tagen einfach was auf die Mauer bringen.“ Doch die jüngsten Ereignisse in den USA gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf: „Ich hatte das spontane Gefühl, ich muss den Typen malen.“

„I can’t breathe“: Es sollen die letzten Worte von George Floyd gewesen sein, der am Abend des 25. Mai in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota während eines Polizeieinsatzes ums Leben kam. Der Afroamerikaner soll nach Angaben der Polizei in einem Lebensmittelgeschäft mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein bezahlt haben. Herbeigerufene Polizisten wollten ihn kontrollieren, was danach genau passierte, ist noch nicht eindeutig geklärt. Die Polizei spricht von Widerstand, während Überwachungskameras eine andere Version aufgezeichnet haben: Demnach wurde Floyd widerstandslos festgenommen. Dabei kniete einer der beteiligten Polizisten mehr als acht Minuten lang auf dem Nacken von Floyd, der mit dem Gesicht auf der Straße lag – Bilder, die derzeit um die Welt gehen. Im Krankenhaus konnte schließlich nur noch Floyds Tod festgestellt werden.

Demonstrationen am Samstag

„Es ist alles ausgedrückt worden, was dort allgegenwärtig ist“, sagt Gonz über sein Werk, „man muss eine Ebene erstellen, an der Kommunikation möglich ist, um sich zu treffen und zu finden.“ Es geht ihm dabei weniger um eine Anklage als vielmehr um einen Weckruf: Rassismus lösche Leben aus: „Es kann jeden treffen.“ Sein Werk und seine Botschaft im Schlossgarten sind von Neckarau kommend in Richtung Rheinbrücke nicht zu übersehen. Es ist mittlerweile gar zum Denkmal für George Floyd geworden. Leute bleiben stehen, beten, legen Blumen nieder und halten für einen Moment inne. Die Botschaft von Gonz ist angekommen und zeigt Wirkung in Mannheim. Für kommenden Samstag sind zudem Demonstrationen angekündigt.

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