Mannheim

Musik Mannheimer Bläserphilharmonie startet zu China-Tournee – zum zweiten Mal nach 2004 / Kosten ohne Aufenthalt vor Ort belaufen sich auf etwa 90 000 Euro

Ein eigener Sitzplatz für das Saxofon

Archivartikel

„Extrem toll“ findet Marla Roh, was ihr nun bevorsteht – und mit der 21-jährigen Studentin noch 73 weiteren jungen Leuten: Die Mitglieder der Mannheimer Bläserphilharmonie sind unterwegs zu einer China-Tournee – zum zweiten Mal nach 2004. Über zwei Wochen werden die Musiker das Land bereisen, neun Konzerte geben und dabei sicher auch so manche Herausforderung bewältigen müssen.

„Diese Reise beflügelt“, ist Benjamin Grän, der Vorsitzende der Bläserphilharmonie, überzeugt. Er und das Orchester freuen sich, „Chinas Kultur, Musik und Menschen besser kennenlernen zu können“, wie er sagt. „So viele Konzerte kurz hintereinander bringen uns musikalisch weiter“, freut er sich, „aber das stärkt sicher auch den Zusammenhalt“. „Die Reise ist für uns eine riesige Chance, uns als Orchester weiterzuentwickeln“, hofft er.

Eingeladen wurden die Mannheimer vom Chinesischen Blasmusikverband, der jedes Jahr Ensembles aus aller Welt ins Reich der Mitte einlädt. Sie geben neun Konzerte in renommierten Konzertsälen wie zum Beispiel der Forbidden City Concert Hall in Peking („Die soll eine erstklassige Akustik haben“, so Grän) und der Music Hall in Shenzhen.

„Sicher extrem beeindruckend“

Auf dem Programm stehen sinfonische Werke für Blasorchester – unter anderem die „Fantasy Variations“ von James Barnes und eine Uraufführung eines Solokonzerts für Blasorchester und Bassposaune von Lucian Beschiu. Einen Teil mit konzertanter Blasmusik (Walzer und Konzertmärsche) wird das Orchester ebenfalls aufführen. Felix Mendelssohn-Bartholdys „Ouvertüre für Harmoniemusik“ ist darunter, von Johann Strauß der berühmte „Kaiserwalzer“, von Igor Strawinsky „Der Feuervogel“.

Dazwischen bleibt Zeit, ein touristisches Programm zu absolvieren und mit jungen chinesischen Musikern zusammenzukommen. „Ich freue mich auf die gemeinsame Zeit mit dem Orchester, aber auch ganz besonders auf die Begegnung mit der chinesischen Kultur“, so Querflötistin Melanie Moll (28). Sie ist erstmals in Asien und daher „ganz gespannt“, was sie erwartet. Ebenso geht es Trompeterin Marla Roh. „Ich bin super gespannt“, gesteht sie im Gespräch mit dem „MM“: „Die fremde Kultur wird sicher extrem beeindruckend.“

Die 74 Musiker sind überwiegend Schüler, Studenten und junge Berufstätige. Der Altersdurchschnitt beträgt 27,9 Jahre. Der älteste Musiker (Oboist Markus Meiser, Aushilfe für China) ist Jahrgang 1963, die drei jüngsten Mitglieder sind dagegen Jahrgang 2002 (Hannah Kassner, Trompete, Maria-Isabel Kreutzenbeck, Flöte, und Nils Peter, Euphonium). Eines der ältesten und eines der jüngsten Mitglieder sind verwandt – Tobias Volz-Wagner spielt Fagott (Jahrgang 1968), sein Sohn Karl Wagner Posaune (Jahrgang 2001).

Spezielle Kisten angefertigt

Ehe am Donnerstag der Flieger in Zürich abhob, hatten die jungen Musiker aber einige Herausforderungen zu bestehen. Den Aufenthalt vor Ort bezahlen zwar die Chinesen, aber nicht den Flug. Und dabei müssen die Orchestermusiker nicht nur ihren Sitzplatz finanzieren, sondern auch den der Instrumente. Nicht alles darf nämlich ins Handgepäck. Schlagwerk und Harfe stellen vor Ort die Chinesen, doch für Kontrabassklarinette, Baritonsaxofon und Bassklarinette musste die Bläserphilharmonie auf jeder Etappe des Flugs jeweils zusätzliche Sitzplätze buchen, da die für einen Flug im Frachtraum zu empfindlich sind. Teilweise mussten spezielle Kisten angefertigt werden, etwa für die Tuba. „Wir hoffen, dass beim Umsteigen alle Instrumente ankommen“, so Grän.

90 000 Euro an Kosten verursacht die gesamte Reise. 30 000 Euro, so hoffte die Bläserphilharmonie, werde durch Sponsoren getragen. So wurden Patenschaften angeboten, etwa 300 Euro für eine Posaune, 400 Euro für eine Tuba, 100 Euro für eine Oboe oder 50 Euro für eine Querflöte. Zwar haben Firmen und Privatpersonen Beträge überwiesen, aber ganz gelang es nicht, das Ziel zu erreichen: Rund 20 000 Euro kamen zusammen. Den Rest müssen jetzt die Teilnehmer zahlen. Öffentliche Mittel gab es keine.

Dabei hofft Grän, dass er auch eine nachhaltige Kooperation mit China aufbauen kann. Immerhin repräsentiere man Mannheim und den Rhein-Neckar-Raum. „Wir wollen auch auf unsere Kulturregion aufmerksam machen“, sagt Grän. Doch davor hatten die Musiker noch eine kurze Nacht: Am Mittwochabend, als Generalprobe und Abschiedskonzert, spielten sie ihr China-Programm noch mal – am Morgen danach startete um 6.05 Uhr der Zug nach Zürich. „Wird ein bisschen anstrengend, aber sicher lohnt sich das“, so Melanie Moll.

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