Mannheim

Show Die amerikanischen Profi-Wrestler der WWE feiern den Abschluss ihrer Deutschlandtour in der SAP Arena / Fans sind begeistert

Ein kleines bisschen Hollywood

Fabian und Tobias Baumgartner haben an diesem Samstagabend vermutlich den längsten Anfahrtsweg. Mehr als 650 Kilometer einfache Fahrt liegt hinter den Brüdern. Aus dem Ort Schrems in Niederösterreich haben sie sich auf den Weg in die Mannheimer SAP Arena gemacht. Nur um den letzten Teil der viertägigen Deutschland-Tour der amerikanischen Profi-Wrestling-Organisation WWE (World Wrestling Entertainment) zu sehen.

"Seit ich zwölf Jahre alt bin, schaue ich Wrestling", erklärt Fabian Baumgartner. Die beiden Österreicher waren schon mehrere Male bei den Europa-Gastspielen der Profis aus Übersee live in der Halle dabei. Maximal einmal im Jahr kommt der WWE-Tross nach Deutschland. Die restliche Zeit bleibt den Fans nur der Blick in die Röhre. "Ich stehe nachts sogar auf, um die Kämpfe im Fernsehen anzuschauen", gibt Fabian Baumgartner zu.

Für Unbeteiligte ist die Begeisterung für die Schaukämpfe, die die Brüder mit den mehreren tausend Fans in der nicht ausverkauften Halle teilen, schwer zu verstehen. Wer zum Wrestling geht, bekommt oft dieselbe Frage gesellt: "Du weißt, dass das gespielt ist?"

Norbert Frank aus Mannheim kennt die Sprüche. "Das ist ok", lacht er. Seine Antwort auf die Frage nach dem Reiz ist simpel: "Entertainment" und weiter: "Ob Show oder nicht, man sieht den Kämpfern an, was Sie leisten." Der Sport sei mit viel Training verbunden. Die Verletzungsgefahr sei hoch.

Wrestlinghochburg Mannheim

Die WWE-Superstars - so werden die Top-Athleten offiziell bezeichnet - liefern auch am vierten Kampftag in Folge einen beeindruckenden Auftritt in dem knapp sechs auf sechs Meter großen Ring ab. Da ist zum Beispiel der 180-Kilo-Koloss Braun Strowman, der seinen baugleichen Kontrahenten Kane auf einen aufgestellten Klapptisch schleudert. Dieser Tisch zerbricht. Kampf vorbei. Die Fans rasten aus, und die Blitzlichter der Handykameras erinnern einen irgendwie an eine Filmpremiere in Hollywood.

"Diese Stadt ist schon immer eine Wrestling-Hochburg gewesen", erklärt der 43-jährige WWE-Profi Matt Hardy. Er war schon bei den früheren Auftritten in Mannheim dabei. Hardy verliert am Ende sein Match knapp gegen "The Miz". Die Fans feiern ihn für seinen leidenschaftlichen Auftritt: "You still got it", auf Deutsch: "Du hast es noch immer drauf." Die Nähe zum Anhang ist wichtig und erklärt, wieso Wrestling in den USA und auch in Europa ein erfolgreiches Millionengeschäft geworden ist. Nach jedem Kampf rennt die Meute an den Ring und versucht, mit den Athleten abzuklatschen. Durch die vorgeschriebenen Geschichten über die Kämpfer identifizieren sich die Fans mit ihnen.

Dazu kommen die verschiedenen Charaktere - klassisch in gut und böse unterteilt. Da ist Enzo Amore, der eigentlich Eric Anthony Arndt heißt mit seiner strohblonden Perücke und dem aufgeschnittenen Hemdchen. Oder Titus O'Neil, der früher Profi-Football-Spieler war und heute wegen seiner Athletik zu den Lieblingen gehört. "Die Fans lassen es dich spüren, wenn ihnen unsere Leistung nicht gefällt", sagt er.

Der Typ mit der Perücke

"Ein wenig haben die Zuschauer Einfluss auf das Geschehen", erklärt Thorsten Kolb aus Kandel in der Südpfalz. Die Kämpfer würden auf die Rufe der Zuschauer nach einer bestimmten Aktion reagieren. Seine Erklärung für das Erfolgsrezept der Show: "Es macht nichts, dass vieles gespielt ist. Wir als Zuschauer wissen ja nicht, was passieren wird." Es sei eben "wie ein Spielfilm".

Filmreif ist auch der Schluss der zweieinhalbstündigen Show. Bei einem Tag-Team-Match, dem Kampf mehrerer Teams gegeneinander, kommen mit Seth Rollins und Dean Ambrose die ganz großen Nummern in den Ring. Am Ende prügeln zehn Kerle aufeinander ein, einer landet auf einem Holztisch. Seth Rollins erklärt via Lautsprecher das Publikum als würdig für das Tourende. Ambrose und Rollins steigen auf die Ringecke und lassen sich feiern. Die ganz große Show. Und die Baumgartner-Brüder? "Der Schluss war mega", finden beide. 1300 Kilometer Fahrtweg haben sich für sie gelohnt.

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