Mannheim

Gedenken Wandermahnmal für die Opfer von Zwangssterilisation steht nun vor den Bürgerdiensten in K 7 / Für jedes Opfer ein Würfel

„Ein Klotz, der im Weg steht“

Archivartikel

Am Eingang der Bürgerdienste in K 7, gut sichtbar für alle Passanten und Autofahrer, steht ab jetzt das Mahnmal für die Oper der Zwangssterilisation aus der Zeit des Nationalsozialismus. Das Mahnmal in Form eines Quaders fällt ins Auge, es ist groß und unbequem, und das mit Absicht. „Weil sie meinen ich bin weniger wert wie andere“, das Zitat einer betroffenen Frau, ist auf dem Mahnmal zu lesen, das 2013 vom Künstler Michael Volkmer gestaltet wurde und seitdem jährlich seinen Standort gewechselt hat.

Es ist zu finden an Orten, an denen die ehemaligen Täter sich befanden – zum Beispiel beim Amtsgericht, den Kliniken oder eben bei Ämtern. Nun wanderte es von seinem vorherigen Standort, der Hochschule Mannheim in Neckarau, zu seinem neuen in K 7. „Das Mahnmal ist kein festes Denkmal, es ist mobil. Und heute steht es vor dem Standesamt“, sagte Bürgermeisterin Felicitas Kubala. „Im Jahre 1933 gab es das sogenannte Gesetz zur Zentralgesundheit, das viele Facetten hatte. Das Gesetz wurde von Ärzten und Ämtern unreflektiert umgesetzt.“ Kubala kritisierte, dass die Ämter die „Daten der Schwächsten“ herausgegeben hätten. Durch das Gesetz wurden etwa 2000 Menschen mit Epilepsie, Taubheit, Blindheit und anderen körperlichen Einschränkungen, die als erblich galten, ab 1934 in Mannheim sterilisiert.

Lang verdrängtes Thema

Ebenso waren sozial nicht angepasste Menschen betroffen, denen man die Bewertung „moralischer Schwachsinn“ überstülpte. Häufig holte die Polizei die Menschen ab und brachte sie mit Gewalt in die Klinik. Das Mahnmal beziehe sich laut Kubala nicht nur auf die Vergangenheit, sondern fordere die jetzigen Generationen dazu auf, „dass wir Menschen akzeptieren, die anders sind oder anders leben, und dass wir immer wieder diskutieren.“

Initiator des Mahnmals war der Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus (AKJM). Dieser befasst sich seit 25 Jahren mit dem Nationalsozialismus in Mannheim. „Der AKJM hat sich dieser lange verdrängten Themen angenommen“, sagte Michael Volkmer, dessen Entwurf beim damaligen Wettbewerb gewonnen hatte. Er selbst bezeichnet sein Werk als „Klotz, der im Weg steht“. Die Oberfläche des Quaders besteht aus kleineren, quadratischen Flächen, die an die bekannten Stolpersteine erinnern. Außerdem mutet der Quader an, aus 1000 aufgestapelten Würfeln zu bestehen – für jedes Opfer einen, da man 2013 noch von 1000 ausging. Inzwischen wurden noch weitere Fälle aufgedeckt.

Je nach Standort übernehmen benachbarte Schulen die Patenschaft für das Mahnmal, diese wird dann symbolisch mit den Staffelsteinen übergeben. In diesem Jahr übergaben Schülerinnen vom Moll-Gymnasium und der Merkur-Akademie die Staffelsteine an Schülerinnen des Elisabeth-Gymnasiums und der Justus-von-Liebig-Schule.

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