Mannheim

Ein Lichtertanz im Phantasiereich der Pferde

Archivartikel

Mannheim.Die „Welt der Fantasie“, mit der das neu gegründete Apassionata-Ensemble „Cavalluna“ seine Kreise zieht, ist in der Mannheimer SAP Arena knappe zwei Stunden alt, als ein Lichtertanz von ungeahnter Schönheit in die Augen sticht. Da mochten 6000 weitgehend euphorische Zuschauer bis dahin schon die waghalsigen Sprünge meisterlicher Trickreiter, aber auch zarte Dressuren vernommen haben: Als die zwei fast reinweißen Andalusier-Hengste mit ihren LED-Leuchtbändern plötzlich durch das Rechteck traben, weist sich dem Publikum ein Phantasiereich der Pferde, das seinen Namen verdient.

Und sich mustergültig in die Liebesgeschichte fügt, die Regisseur Klaus Hillebrecht und die Seinen mit dem neuen Programm poetisch nacherzählen. Zunächst in der Dorfeinsamkeit fast schon abgeschlagen, ist es ein wilder Traum, der dem jungen Tahin den Weg in die Freiheit der eigenen Fantasie bahnt – und dabei auch an Amors Pfeil nicht vorbeikommt. Denn auch, wenn sie sich zunächst als scheue Fee im Zauberreich gibt, hat die Erscheinung der bildhübschen Naia bei dem jungen Emporkömmling Spuren hinterlassen. Und so ist es zwischen Selbstzügelung und brennender Begierde die „Sehnsucht“, die den Protagonisten dieses Formates quält, um selbst der Finsternis seiner eigenen Melancholie vorauszuleuchten.

Womit man auch in Mannheim wieder beim Thema wäre, ist es doch diese Szenerie, die der episodisch angelegten Show ihren ganz eigenen träumerischen Reiz verleiht. Und das hat gleich zweierlei Gründe. Denn zum einen fasziniert selbst routinierte Pferdekenner die Symbiose aus Reiter und Pferd, die anfangs trotz fast nachtfinsterem Untergrund nicht einmal ansatzweise ins Wanken gerät. Zum anderen ziehen auch die mit Leuchtroben ausstaffierten Tänzer der produktionseigenen Compagnie ihre illuminierten Furchen in diese poetischen Minuten. In den ersten Augenblicken vollführen die Akteure ihre Schritte und Drehungen komplett auf Sicht, als die Scheinwerfer den rechteckigen Grund schließlich in ein zart-unwirkliches Violett tauchen, erinnern die rastlosen Drehungen, die Olena Maciejewski und Joazi Santos da Silva ihren Künstlern auf die Füße choreographiert haben, stellenweise schon an das Niveau von Ensembles wie „Light Balance“ – nur, dass hier noch die Pferde zwischen den Menschen ihre Bahnen reiten.

Dass dabei nicht nur niemand zu Schaden kommt, sondern ein anrührender Charme entsteht, der einem großen Ende seinen Vorschub leistet, wird da zu Recht frenetisch beklatscht. Was für ein Segen, dass Familien dieses Schauspiel aus Licht und großem Theater auch bei der letzten Mannheimer Aufführung am Sonntag noch einmal erleben können.