Mannheim

Wirtschaftsjunioren Gabriele Krone-Schmalz spricht bei „Querdenken“ im John-Deere-Forum

Ein Plädoyer für Russland

Archivartikel

Mannheim.Den kräftigen, langen Beifall von fast 600 Zuhörern fasste sie mit einem Satz zusammen: „Sie haben vielen Menschen aus dem Herzen gesprochen“, dankte Moderatorin Stefanie Strebel der Frau, die gerade vielen Politikern und auch Teilen der Medien die Leviten gelesen hat: Gabriele Krone-Schmalz. Die Historikerin, und Publizistin, 1987 bis 1991 Moskau-Korrespondentin der ARD, plädierte bei der Veranstaltung „Querdenken“ vehement dafür, dass Europa sich an Russland annähert.

„600 Leute haben wir nie zusammenbekommen. Wir waren froh, wenn 30 kamen“, erinnerte sich Markwart von Pentz. Früher war er selbst bei den Wirtschaftsjunioren. Nun stellte der Europa-Chef von John Deere schon zum elften Mal dieser Vereinigung junger Unternehmer und Führungskräfte in der IHK das John-Deere-Forum für die Reihe „Querdenken“ zur Verfügung.

Zum Vortragsthema „Russland – Freund oder Feind in Geopolitik und Wirtschaft?“ betonte er auch gleich, wie wichtig das Russland-Geschäft für das amerikanische Landtechnik-Unternehmen ist. „In der großen Depression 1929 bis 1932, als amerikanische Bauern nicht zahlen konnten, hat Russland 10 000 Traktoren gekauft und mit Gold bezahlt“, blickte er dankbar zurück.

Diesen Hinweis griff Krone-Schmalz gerne auf. Nach ihrer Ansicht liegt es „im ureigenen Interesse“ der Europäer und besonders der Deutschen, eng mit Russland zusammenzuarbeiten: „Wir sind natürliche Partner“, so Krone-Schmalz. „Auch die Mehrheit der Deutschen ist an einem guten Verhältnis interessiert“, betont sie unter kräftigem Beifall: „Was mir nicht in den Kopf will, ist, warum Entscheidungsträger in Politik und Medien das nicht zur Kenntnis nehmen!“

Nato-Osterweiterung als Fehler

Nach Meinung von Krone-Schmalz sind allein die USA nicht an einer Einigkeit in Eurasien interessiert. Sie würden daher alles tun, die politischen Beziehungen „zu schwächen und zu zerstören“. Europa als Bollwerk gegen Russland aufzubauen, sei aber „ein Kardinalfehler von Politik und Medien“, klagt sie.

Dass alle, die nach Ende des Ost-West-Konflikts auf dauerhaften Frieden gehofft hätten, nun „vor einem Scherbenhaufen“ stünden, liege an der Nato-Osterweitung, „der größte Fehler seit Ende des Zweiten Weltkriegs“, behauptete Krone-Schmalz. Man habe „russische geostrategische Interessen einfach zu lange nicht ernst genommen“.

Dazu zähle etwa die Stationierung der Schwarzmehrflotte auf der Krim. Es sei „naiv bis arrogant“, nicht zu erkennen, dass Russland deshalb eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine nicht habe dulden können. Weder die russische Militärpräsenz dort noch das Referendum auf der Krim für einen Beitritt zu Russland seien völkerrechtswidrig gewesen. Eine Annexion der Krim durch Russland, also eine gewaltsame Angliederung gegen den Willen der Bevölkerung, hat es nach ihrer Ansicht nicht gegeben. Und auch Putin („Auch, wenn ich einiges an ihm zu kritisieren habe“) könne sich auf die große Mehrheit der Bevölkerung seines Landes stützen.

Ausdrücklich warnte Krone-Schmalz daher Europa davor, sich auf eine „Eskalationsspirale“ einzulassen. Die derzeitige Entwicklung nannte sie „unangemessen und hochgradig gefährlich“. In Deutschland fehlten jedoch „informierte und ideologiefreie Debatten“ darüber, beklagte sie.