Mannheim

Reaktionen II Thomas Esser hält an der Idee „Riwwerside“ weiter fest

Ein Projekt mit Hindernissen

Archivartikel

Er fühlt sich bestätigt: „Die Leute drängt es ans Wasser, das ist doch klar“, reagiert Thomas Esser auf das „MM“-Bürgerbarometer. Er kämpft schon lange für die Idee, die Mannheimer Ufer mehr zu nutzen. Nun findet der Unternehmer seine Idee, unter dem Namen „Riwwerside“ bekannt geworden, „so aktuell wie nie“. Sie sei auch „keineswegs tot“.

Esser zählte zu den Vorkämpfern der Bürgerinitiative, die Mitte der 1970er Jahre die Alte Feuerwache vor dem Abriss bewahrte. Dann baute er die Programmkinos „Odeon“ und „Atlantis“ auf, verkaufte sie 1996 und stieg ins Film-Produktionsgeschäft ein. 2005 ging er mit der Idee „Riwwerside“ an die Öffentlichkeit.

Peter Kurz, damals Kulturbürgermeister, signalisierte sofort Unterstützung. Er hielt das Konzept für „grundsätzlich genehmigungsfähig“. Und auch zahlreiche weitere prominente Unterstützer aus Politik, der Wirtschaft und von der Metropolregion sowie quer durch die Parteien klatschten Esser Beifall. Das Modell wurde im Modehaus Engelhorn und in einem Container an den Rheinterrassen ausgestellt.

Sein Konzept: Er wollte an der „Wasserloch“ oder „Hundebad“ genannten Bucht an den Rheinterrassen in Höhe Rheinkilometer 442 eine Fähre über den Strom pendeln lassen, die Fußgänger und Radfahrer übersetzt. Während auf der pfälzischen Seite nur ein reiner Anleger vorgesehen war, sollte auf Mannheimer Seite nach Entwürfen des Architekturbüros Blocher Partners eine „schwimmende Urlaubsinsel“ entstehen, ortsfest an Dalben verankert und mit 1600 Quadratmetern Nutzfläche für ein vollverglastes Restaurant, Sport, Kultur und Wellness auf drei Decks, darunter ein Sonnendeck. Eine Strömungsturbine sollte umweltfreundliche Energie liefern.

Baurechtlich genehmigt

Das auf vier Millionen Euro bezifferte Projekt wurde ewig diskutiert, aber nie realisiert. Bedenken kamen vom benachbarten Ruderclub und dem ihm gehörenden Gasthaus. Anwohner machten sich Sorgen wegen fehlender Parkplätze und die Sicherheit der Anlage bei Schiffsunglücken wurde immer wieder erörtert.

Zeitweise sah es so aus, als wäre das Projekt gestorben. Dem widerspricht Esser. Seit 2014 verfügt er über die „wasserrechtliche Erlaubnis sowie die baurechtliche Genehmigung“, die bis 2034 gilt. Die Gestattung des staatlichen Wasser- und Schifffahrtsamtes steht indes aus. Weil sein Projekt so einzigartig sei und in kein Schema passe, seien die „Behörden fachlich überfordert damit“, kritisiert Esser sehr verbittert. Lückenlos belegt er mit Protokollen und Briefen, was ihm alles erlaubt wurde, ehe wieder Zweifel aufkamen. Dabei habe er „eine Fülle von Experten beigebracht, einen Riesenaufwand betrieben, alle ständig steigenden Anforderungen erfüllt“.

Die lange, kontroverse Debatte habe indes dazu geführt, dass „die Investitionsbereitschaft gegen null“ gegangen sei, sprich Finanziers absprangen. Doch Esser ist überzeugt: „Wenn es das klare und deutliche Signal der Stadt gibt, dass sie das Projekt will, dass sie Aufenthaltsqualität am Fluss will, dann sind Banken und Investoren genug da, die solche Projekte regelrecht suchen, dann können wir das sofort machen“, so Esser. „Riwwerside“ liege „nur auf Reede und wartet auf die Erlaubnis, in den Hafen einzufahren“, formuliert er es. Der Wunsch der Bürger sei ja da.

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