Mannheim

Jüdische Gemeinde Traditioneller Frühlingsball im schon lange restlos ausverkauften Gemeindezentrum

Ein rasanter Ringelreihen

Archivartikel

Eine Einladung haben sie erst gar nicht mehr verschickt – weil der Abend allein durch „Mundpropaganda“ schon mehr als ausverkauft war: „Ein absolutes Novum“, freute sich Majid Khoshlessan, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, über mehr als 400 Gäste beim Frühlingsball im Jüdischen Gemeindezentrum in F 3. Selbst enger gestellte Tische und zusätzliche Plätze im Foyer reichten nicht: „Wir mussten vielen Interessenten absagen“, bedauerte Majid Khoshlessan.

Generalkonsulin zu Gast

Für den Vorsitzenden ist das der Beweis, „wie beliebt und unverzichtbar unsere Veranstaltung geworden ist“, die es nun seit 28 Jahren gibt. Zugleich sei die große Resonanz aber ebenso Beleg dafür, „wie gut unsere Gemeinde in Mannheim und der Region angesehen ist“. „Wir sind ein fester Bestandteil der Zivilgesellschaft, eine Mannheimer Institution“, freute sich der Vorsitzende.

Das bekräftigte auch ein besonderer Gast aus München: Sandra Simovich, seit August 2017 Leiterin des Generalkonsulats des Staates Israel für Süddeutschland. Sie war zwar schon einmal vor einem Jahr zur Feier der Städtepartnerschaft zwischen Mannheim und Haifa in der Quadratestadt, aber noch nie bei dem Ball.

„Eine tolle, schön gestaltete Veranstaltung“, sagte die Diplomatin dieser Zeitung – denn sie wollte mit einem offiziellen Grußwort niemanden vom Tanzen abhalten. „Hier erfüllt sich die Idee von einem offenen Haus, in das nicht nur Mitglieder der Jüdischen Gemeinde kommen, sondern sehr viele Gäste aus ganz Mannheim“, sagte Simovich: „Das fällt mir auf, sehr positiv auf!“

Und tatsächlich: Oberbürgermeister Peter kurz, die beiden Fraktionsvorsitzenden Ralf Eisenhauer (SPD) und Claudius Kranz (CDU) sowie Melis Sekmen, stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, führten eine Liste zahlreicher Stadträte an, dazu die Ehrenmitglieder der Jüdischen Gemeinde, Volker Keller und Jörg Uelzhöffer, Landgerichtspräsident Martin Maurer und sein Vorgänger Günter Zöbeley; ferner der Vorsitzende des Oberrats der Israeliten in Baden, Rami Suliman. Auch die Dekane Ralph Hartmann (Evangelisch) und Karl Jung (Katholisch) hieß Khoshlessan willkommen, „denn wir pflegen gerne den Dialog mit allen friedlichen Religionen“.

Aber dann konnte und wollte Emma Rintel, die mit ihrer Band schon in der alten Synagoge in der Maximilianstraße spielte und dennoch jung wie immer wirkt, nicht mehr warten. Schnell rief sie zum Hora, dem traditionellen Tanz im Kreis und im Takt, zum beliebten hebräischen Volkslied „Hava Nagila“ („Lasst uns glücklich sein“), bei dem sich alle Gäste an den Händen fassen, einen fröhlich-rasanten Ringelreihen bilden.

Schöne Dekoration

„Mit euch haben wir Spaß, wir sind wie eine große Familie“, rief sie dem Publikum zu, das ebenso begeistert bis weit nach Mitternacht zur Musik der non stop spielenden Band tanzte. Für die wunderbare Atmosphäre im Saal mit hellblauer Dekoration und dazu passenden rosa Rosen, Fresien und Ranunkeln sorgte wieder mit sicherer Hand Jasmin Fritsch – und trug dann auch das dazu perfekt passende hellblaue Kleid.

Für 350 Tombolagewinne hatte Susanne Benizri gesorgt. Marlis Studniberg und ihr Team boten zur Stärkung nicht nur ein koscheres Büfett, sondern auch eine große Torte aus der Konditorei Herrdegen. Und wer vom Tanzen so schwitzte, durfte sich abkühlen – mit von Giampaolo Da Col vom Eiscafé „Cortina“ spendiertem kostenlosen Eis.