Mannheim

Marchivum Nachlass von Isak Unna erworben

Ein sehr prägender Rabbiner

Sie tauchten plötzlich in einem Luxemburger Antiquariat auf: Dokumente über den Mannheimer Rabbiner Isak Unna (1872-1948). Mit Hilfe des von Helen Heberer geleiteten Freundeskreis Marchivum hat das Marchivum nun 141 Dokumente im Umfang von 239 Blättern, vorwiegend Briefe, erwerben und in die stadtgeschichtliche Sammlung einordnen können.

„Es ist eine wertvolle Ergänzung zu den Büchern, Zeitungsartikeln und anderen Schriften, die wir von und über Unna bereits haben“, so Markus Enzenauer vom Marchivum. Die Seiten seien von Unna teilweise selbst paginiert, wenn auch einzelne Seiten fehlen. Den Erhaltungszustand bezeichnete Enzenauer mit der Schulnote „zwei bis drei“, weil „einige Papiere brüchig“ seien. „Doch das Material ermöglicht der Forschung einen neuen Zugriff auf Untersuchungen zu seiner Geisteshaltung, seiner Position im orthodoxen Judentum und seiner Mitwirkung in jüdischen Verbänden“, erklärte der für stadtgeschichtliche Forschung zuständige Referent.

Sohn war Abgeordneter

Isak Unna, in Würzburg geboren, war von 1898 bis zur erzwungenen Emigration nach Palästina 1935 Rabbiner der Lemle-Moses-Klaus-Synagoge der orthodoxen Juden im Quadrat F 1, 11, die von den Nationalsozialisten zerstört wurde. „In Mannheim haben in 230 Jahren mehr als 60 Rabbiner gelebt, aber er verdient besondere Aufmerksamkeit – nicht nur wegen der langen Amtsdauer“, so Enzenauer. Isak Unna sei eine „für die Gemeinde prägende Gestalt“ gewesen, da er sich um deren Vereinsleben sehr verdient gemacht und den Ausbau der Religionsschule an der Synagoge vorangetrieben habe, „aber er strahlte auch über Mannheim hinaus“. Dafür sprächen zahlreiche Beiträge von ihm sowie der Vorsitz in der Vereinigung der orthodoxen Rabbiner. „Er war letztlich geistiger Führer der gesamten orthodoxen Juden in Deutschland“, so Enzenauer.

Dank der Unterlagen könne man sein Wirken nun noch näher erforschen. Einer seiner drei Söhne wurde in Israel Abgeordneter der Knesseth. pwr

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