Mannheim

Kulturpolitik Grüne und SPD rechtfertigen in Brief an Fördervereine geringeren Zuschuss für die großen Häuser

„Ein solidarischer Beitrag“

Archivartikel

Grüne und SPD haben ihren Beschluss aus den Etatberatungen verteidigt, die Zuschüsse an Nationaltheater und die beiden großen Museen zugunsten der freien Szene um 500 000 Euro zu kürzen. Sie reagierten damit auf einen Protest der Fördervereine in einem „Offenen Brief“.

„Dies berührt den Bestand der drei Institutionen“, hatten die Förderkreis-Vorsitzenden Verena Eisenlohr (Kunsthalle), Achim Weizel (Nationaltheater) und Hans-Jürgen Buderer (Reiss-Engelhorn-Museen) beklagt. Es handele sich nur um „ein kleines Weniger vom deutlichen Mehr an Förderung“, antwortete Thorsten Riehle, der kulturpolitische Sprecher der SPD, nun den Vorsitzenden der Fördervereine.

„Wir haben keine Kürzung vorgenommen, sondern eine etwas geringere Erhöhung beschlossen“, entgegnete auch Gerhard Fontagnier, der kulturpolitische Sprecher der Grünen. „Leider hat es die Verwaltung 2019 einmal mehr nicht geschafft, den politischen Willen, auch die freie Kulturszene besser auszustatten, in den Haushaltsentwurf einzubringen“, begründet Fontagnier den Vorstoß von Grünen, SPD und der Fraktion Li.Par.Tie.

Kritik an Verwaltung

Deren Ziel sei gewesen, so Riehle, „dass es zwischen den großen Häusern und der freien Szene einen fairen und solidarischen Ausgleich gibt. Die jetzt getroffene Regelung ermöglicht dies“, erklärt der SPD-Stadtrat. Wie Fontagnier wirft er der Verwaltung vor, dass ihr Etatentwurf „nicht ausgewogen war, sondern die Einrichtungen der freien Szene einmal mehr deutlich zu wenig berücksichtigt hat“. Dabei hätten sich Kulturausschuss und Kulturdezernat auf einen Weg dazu geeinigt, doch „das Ergebnis wurde nie umgesetzt“, kritisiert Riehle und begründet dies damit, „dass sich Kulturdezernent und Kämmerer gegenseitig für den fehlenden Vollzug des nahezu einstimmigen politischen Willens verantwortlich gemacht haben“.

Daher hätten die Fraktionen die Initiative ergriffen, „da sonst wichtige Angebote wie das Community Art Center, Theater Oliv, die Kunstschule und viele weitere um ihre Existenz gekommen wären“, so Riehle. Gelder dafür seien „nur durch Gegenfinanzierung“ verfügbar gewesen, indem man von den großen Einrichtungen „einen solidarischen Beitrag zur Unterstützung der freien Szene einfordert“, argumentiert der SPD-Stadtrat. „Wir wollten die sehr oft prekär arbeitenden Kulturschaffenden der freien Kulturszene endlich einmal stärker im Haushalt berücksichtigen“, schließt sich dem Fontagnier auch im Namen seiner Stadtratskollegen Angela Wendt und Markus Sprengler an. Dafür „musste ein Kompromiss gefunden werden, der die Kulturausgaben insgesamt nur begrenzt erhöht. Dabei kam der Vorschlag dieser geringeren Erhöhung für die drei großen Häuser auf“, so der Sprecher der Grünen. Ebenso wie Riehle versichert er aber den drei Fördervereinen, dass auch die großen Häuser weiter auf den Gemeinderat zählen könnten.

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