Mannheim

Ein tief poetischer Überzeugungsakt

Manchmal ist es der Glaube an etwas Größeres, der nicht nur Berge versetzt, sondern eigene Universen erschafft. So – und keineswegs geringer – sollte man bewerten, was sich beim jüngsten „Jazz im Quadrat – Hautnah“-Abend im „Ella & Louis“ zugetragen hat.

Denn zunächst einmal treten mit Komponist und E-Bassist Florian Hartz, Tasten-Spezialist Lukas Langguth und Schlagzeuger Jakob Dinnebier drei junge Mannen auf die Bühne des Jazzclubs im Rosengarten, die sich im Interview relativ unbedarft geben, um aus sich und ihrer Musik keine große Sache zu machen. Auf die Frage von Kulturredakteur Georg Spindler, wie die gemeinsamen Stücke im Proberaum denn zustande kämen, antwortet das Trio anfänglich mehr verlegen als stolz, dass Florian Hartz mit einer melodischen Struktur aufwarte, auf die es dann eben zu reagieren gelte. Dass genau dieser Spannungsraum nahezu ausverkaufte Reihen in den kommenden zwei Stunden aufjubeln lassen würden, kommt in diesem Augenblick noch niemand. Noch.

Denn es dauert kaum ein paar Minuten, bis sich die ersten Zuhörer von den suitenartigen Werken dieser Combo schwungvoll davontragen lassen – und das Genießen lernen. Es sind diese beiden Sphären, die an diesem Abend erst unvermittelt aufeinandertreffen, um sich mehr und mehr anzunähern. Auf der einen Seite die Gäste, die sich dem Vertrauensvorschuss des Online-Votings zu einem Experiment einladen lassen, dessen Gelingen sich über die Dauer als immer selbstverständlicher erweist. Und drei junge Überzeugungstäter, die das Risiko der progressiven Improvisation mit elektronischen Samples aus Natur und Technik gleichermaßen verzwirnen. Das Ergebnis ein in jeder Hinsicht organischer Klang, der sich und seinen Zielen keinen Riegel vorschieben lässt – und genau deshalb so grenzenlos zu begeistern versteht. Auf dem T-Shirt des Trio-Leaders steht es in großen Lettern geschrieben: „Believe“ – „Glaube“. Wenn es bei den „Entdeckungen“ des „MM“-Formats jemals eine Formation gab, die diese Qualität zwischen melodischer Poesie und struktureller Entwicklung mit Furchtlosigkeit zu gestalten verstand, dann war es diese. Chapeau!

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