Mannheim

Berufsbildung 80 Jugendliche nehmen am Schreiner-Eignungstest in der Heinrich-Lanz-Schule teil

Einblicke in Arbeit mit Hobel und Säge

Archivartikel

Die Papiere rascheln, hier und dort hört man noch etwas Getuschel. Jeder bekommt eine sechsseitige Prüfung ausgeteilt. Und dann bleiben 60 Minuten bis zur Abgabe. Der Eignungstest im Tischler- und Schreinerhandwerk, den am Mittwochmorgen etwa 80 Jugendliche in der Heinrich-Lanz-Schule bearbeiten, soll jungen Berufsinteressenten als Beurteilungsgrundlage für die eigenen Fähigkeiten dienen. Denn während der Ausbildung zum Schreiner sowie im späteren Berufsalltag ist nicht nur die Praxis, sondern auch die Theorie essenziell. Flächenberechnung, etwas Allgemeinwissen zu Bundesrepublik und Europäischer Union, Rechtschreibung, Aufgaben zur räumlichen Vorstellung und technisches Grundverständnis werden abgefragt – alles keine Zauberei, findet Teilnehmer Dominik Zander von der Johannes-Kepler-Schule. „Mit Mathe tue ich mich manchmal etwas schwer“, gesteht er nach der Prüfung. „Aber sonst lief eigentlich alles okay.“

Nagel im Baumstamm versenkt

Jugendliche aus sechs Schulen der Region nehmen freiwillig am Eignungstest teil. Zwei Prüfungstermine gibt es, um 9 Uhr und um 11 Uhr. Danach geht es für beide Gruppen in die Werkstatthalle, wo mehrere technische Lehrer der Heinrich-Lanz-Schule (HLS) und etwa 25 Auszubildende des ersten Lehrjahres einen Einblick in die Arbeit an Hobel und Säge vermitteln. Teilnehmer Fitim hält ein Stück Holz in den Händen, auf das Lehrer Jochen Woitke gerade an der Maschine seinen Namen eingefräst hat. Als Preis, weil Fitim mit fünf Hammerschlägen einen Nagel am schnellsten im Baumstamm versenkt hat. Die Ausbildung als Schreiner zu ergreifen, könne er sich gut vorstellen, sagt Fitim: „Bei meinem Praktikum durfte ich schon ziemlich viel machen. Ich habe Tische gefräst und Türen eingehängt zum Beispiel. Das macht Spaß.“

Dass die Jugendlichen schon früh eine Verbindung zu den umfangreichen Tätigkeiten im Schreinerhandwerk aufbauen und sich mit den jeweiligen Anforderungen befassen, sei eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Ausbildung, betont Steffen Haug, Obermeister der Schreiner-Innung Mannheim sowie Vizepräsident der Handwerkskammer Mannheim. Daher führt die Innung in Kooperation mit der HLS seit mehreren Jahren die vom Landesfachverband Schreinerhandwerk Baden-Württemberg gestellten Eignungstests durch. „Die Abbrecherquote in den Klassen ist heute um einiges höher als früher“, erklärt Guido Herzog, Studiendirektor der Berufsschule am Neckar. Die Gründe dafür: Ein manchmal falsches Bild von der Ausbildung zum Schreiner, meint Haug. Und einige Jugendliche würden bei den ersten Hürden im Beruf die Lust verlieren. „Aber da gibt es im Rahmen der Ausbildung natürlich Lösungsstrategien“, betont Herzog. Darunter viel individuelle Förderung sowie das Trainieren von Konfliktpotenzial.

Für die Ausbildung spreche nicht nur die Tatsache, dass gute Lehrlinge momentan von den Betrieben besonders gefragt seien, so der Studiendirektor: „Man kann sich als Schreiner einfach noch verwirklichen. Zu sehen, was man geschafft hat, ist eine große Erfüllung.“ Das findet auch Azubi Jonah Wolf, der Anfang September seine Lehre begonnen hat. „Vorher habe ich schon etwas anderes gemacht, aber ich wollte noch einmal etwas Neues probieren“, meint er. „Dass ich dabei etwas mit meinen Händen mache, ist mir besonders wichtig.“ Gerade sind Wolf und seine Mitschüler dabei, eine eigene Werkzeugkiste mit aufwendigen Schwalbenschwanz-Verbindungen an den Ecken fertigzustellen. Das ist Bestandteil des Lehrplans an der Heinrich-Lanz-Schule und zieht die Aufmerksamkeit einiger Teilnehmer des Eignungstests auf sich. Einen Raum weiter steht Zeynep Sahin am Handhobel – allerdings nicht zum ersten Mal. Die Schülerin versucht momentan, so viel Berufserfahrung wie möglich zu sammeln. Dazu gehörte unter anderem ein Praktikum in einer Schreinerei, wo sie hobeln, sägen und feilen durfte. „Aber ob ich in dem Bereich später wirklich meine Ausbildung machen möchte, weiß ich noch nicht. Vorher will ich noch einen Einblick in andere Berufe bekommen“, erklärt die Teilnehmerin des Eignungstests.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/mannheim

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