Mannheim

Wagner-Verband Liselotte Homering mit Wagner-Stele geehrt / Gesungene Laudatio

„Eine begeisternde Expertin“

Er sang ihr „ein Lied, das bis heute weder Mann noch Weib je hörte oder sang“ – nämlich ganz exklusiv für sie: Musikalisch gratulierte Kammersänger Thomas Jesatko nun Liselotte Homering. Die Abteilungsleiterin Theater- und Literaturgeschichte der Reiss-Engelhorn-Museen erhielt vom Richard-Wagner-Verband Mannheim-Kurpfalz die erst zum fünften mal vergebene Wagner-Stele, und der zuletzt ausgezeichnete Bassbariton hielt eine sehr persönliche, ganz besondere Laudatio.

„Eine wunderbare Preisträgerin“, freute sich Monika Kulczinski, die Präsidentin des Verbandes, als sie bei einer festlichen Matinee im Leonardo Royal-Hotel die Stele überreichte. Opernintendant Albrecht Puhlmann, Vorsitzender Achim Weizel von den Freunden und Förderern des Nationaltheaters sowie über 120 Gäste stimmten Kulczinski gerne zu, die Homering „für viele Jahrzehnte Freundschaft“ zum Verband und ihre bedeutende Rolle im Mannheimer Kulturleben dankte. „Ich glaube, wir haben richtig entschieden“, fasste die Präsidentin die Laudatio von Jesatko zusammen.

Leitung seit 1985

Der verriet, dass Homering „die erste Mannheimerin war, die ich kennenlernen durfte“. In den 1980er Jahren am Staatstheater Darmstadt engagiert, wollte ihn seine alte Gesangslehrerin aus München aus zwei Gründen besuchen – um die musikalische Weiterentwicklung ihres Schützlings zu erleben und um in Mannheim die Theatersammlung zu besuchen. So kam auch Jesatko, seit 1997 am Nationaltheater tätig, schon früh mit Mannheim, Homering und eben ihrer Tätigkeit im Museum in Berührung.

Er erlebte sie als „begeisterte und begeisternde“ Expertin. Nach dem Studium in Mannheim, wo sie parallel bei der Rheinelektra in der Schallplattenabteilung arbeitete, hatte Homering 1985 die Leitung der Sammlung übernommen. Seither verantwortete sie zahlreiche Ausstellungen und Bücher zur Theater-, Musik- und Literaturgeschichte. „Es gibt kaum ein musikalisch-literarisches Gebiet, wo man nicht auf ihren Namen stoßen würde“, würdigte Jesatko die „Herrin einer weltweit ziemlich einmaligen Sammlung“ aus Theaterzetteln, Programmheften, Bühnenbildmodellen und vielem mehr – und das zurück bis 1779 weitgehend lückenlos. Homering sei daher nicht allein „das personifizierte Theatergedächtnis“, sondern nach seinem Eindruck zumindest im Kulturleben „die wichtigste Person überhaupt“, so der Sänger.

„Ich fühle mich sehr, sehr geehrt“, bedankte sich Homering und bekannte: „Plötzlich so gelobt zu werden, bin ich nicht so sehr gewohnt.“ Sie freue sich aber „aus ganzem Herzen“ und habe sich „im Leben nicht träumen lassen“, einmal so geehrt zu werden. Schließlich sei sie gar keine „reine Wagnerianerin“, sondern möge auch andere Komponisten – doch da wäre Kulczinski ja ihre „Schwester im Geiste“, sagte sie.

Deren Stellvertreterin Christa Scharer stellte schließlich die vier Stipendiaten vor, die der Mannheimer Wagner-Verband im August nach Bayreuth entsendet. Jesatko, Evgeniia Selina (Sopran) und Joachim Goltz (Bariton) boten, begleitet von Stephan Rahn, schließlich noch ein zauberhaftes wie hochkarätiges Musikprogramm – gekrönt wiederum von Jesatko. Nach seiner musikalischen Laudatio erwies sich der bekannte Wagner-Interpret bei Georg Kreislers „Musikkritiker“ auch noch als begabter Chansonnier.