Mannheim

Kultureller Austausch Deutsch-Türkisches Institut und NTM unterzeichnen Kooperationsvertrag

Eine Bühne für die vielfältige Stadtgesellschaft

Das Deutsch-Türkische Institut für Arbeit und Bildung (DTI) hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2012 der Förderung des kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Austauschs zwischen Deutschen und in Deutschland lebenden Türkinnen und Türken, speziell in Mannheim, verschrieben. Nun hat der gemeinnützige Verein, der von Mustafa Baklan, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Suntat, und dem damaligen Präsidenten der Hochschule der Wirtschaft für Management (HdWM) Franz Egle gegründet wurde, einen neuen Kooperationspartner gewonnen: das Nationaltheater Mannheim (NTM). Am Mittwoch unterzeichneten der DTI-Vorstandsvorsitzende Baklan und NTM-Schauspielintendant Christian Holtzhauer den Kooperationsvertrag.

Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem NTM, erklärte Baklan im Rahmen der Vertragsunterzeichnung. „Ich habe gemerkt, dass es Armut nicht nur in der Türkei gibt, sondern auch in Deutschland“, erläuterte der Unternehmer, der selbst aus einer Einwandererfamilie stammt, weshalb er sich unter anderem im Bereich Bildung und Arbeit einsetzt.

„Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein so kleiner Verein wie das DTI und das große Haus NTM zusammenarbeiten“, betonte Franz Egle, geschäftsführender Vorstand des DTI, „da muss es eine Schnittstelle geben.“ Diese benennt Holtzhauer: „Für mich ist grundsätzlich klar, dass das Theater immer auch ein Spiegel der Gesellschaft ist – oder zumindest sein soll – in der es sich befindet.“ Deutschland sei seit vielen Jahren Einwanderungsland. Das Theater müsse diese vielfältige Gesellschaft spiegeln. Ein wichtiges Anliegen des NTM sei die kulturelle Bildung: „Wie führen wir junge Menschen an das, was wir machen, heran?“ Zudem habe sich das NTM zum Ziel gesetzt, auch als Arbeitgeber für Menschen aller gesellschaftlichen Gruppen attraktiv zu sein.

Über die Sprache hinaus

Das erste gemeinsame Projekt konzentriert sich auf die Förderung neu zugewanderter Schüler und unterstützt zunächst 14- bis 18-Jährige an der Justus-von-Liebig-Schule in den Bereichen Kommunikations-, Berufs- und Demokratiebildung. Die Liebig-Schule hat in diesem Schuljahr allein fünf Klassen mit Schülern ohne Deutschkenntnisse gebildet. Seit Schuljahresbeginn ist dort auf Initiative des DTI die Online-Sprachlernplattform MintiCity im Einsatz. In Workshops mit Mitgliedern des NTM-Schauspielensembles sollen die Schüler nun erfahren, welche Ausdrucksmöglichkeiten es über die Sprache hinaus gibt. Übungen mit Körpersprache, Mimik und Gestik sollen helfen, das Selbstwertgefühl zu stärken.

Weitere Projekte sind laut Sophie Kara-Ebner, NTM-Referentin für Diversität, sowie den DTI-Projektmitarbeiterinnen Gülsah Alkaya und Buket Arfundali, in Planung, sofern sie hinsichtlich der Corona-Pandemie möglich sind. So etwa eine Veranstaltung zum Tag des Grundgesetzes im Mai oder eine Theateraufführung zum 60. Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei im Oktober 2021. „Wichtig ist uns eine nachhaltige Kooperation“, so Kara-Ebner. Sie wisse aus eigener Erfahrung, mit wie vielen Hürden das Ankommen in einem neuen Land verbunden sei. „Gerade die Gastarbeiter haben den Grundstein gelegt für eine diverse Stadtgesellschaft.“ Es gebe keinen besseren Ort als die Bühne des NTM, um ihre Geschichten zu erzählen.

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