Mannheim

Eine Hommage an die Kraft der Gedanken

Nicht, dass es da draußen auf weiter Flur nicht so manches Ensemble gäbe, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, den internationalen Jazz zu revolutionieren. Dass von den hehren Ansprüchen oft nicht viel übrig bleibt, und stattdessen „wahnsinnig schwierige Musik“ entsteht, wie sie Antonio Garcia stets vermeiden wollte, stimmt nicht nur, sondern stimmt auch nachdenklich.Denn unweigerlich ergibt sich daraus die Frage: Ist die traditionelle Schule von Gestern morgen auch wieder die Zukunft?

Wenn man an diesem „Jazz im Quadrat“-Abend im Mannheimer „Ella & Louis“ dem Quintett von „Brainsail“ beim Musizieren zuhören darf, möchte man zumindest glauben: Nicht jetzt. Denn das Motto ihres eigenen Bandnamens – die Sinnesreise – ist hier weit mehr als ein unverbindliches Spiel mit freiem Ausgang. Wenn sich Garcia und die dynamische Stimme von Seyda Sibel zum vokalen Redenzvous verabreden, ist das nicht weniger als ein Bekenntnis.

Bisweilen zerfließen die Grenzen zwischen Weltmusik und Obertönen, funkiger Wucht und packendem Soul – doch das ist gewollt, von Sinn getragen und in sich schlüssig. Die Versatzstücke der einzelnen Titel machen da kein Geheimnis aus ihrem Zweck. Diese Musik ist nichts für jederzeit, sondern vielmehr ein exklusives Vergnügen für besondere Augenblicke („Just For A While“). Dass sich dieses Versprechen derart atmosphärisch und wirkungsmächtig einlöst, hängt zweifelsohne auch an der instrumentalen Klasse, mit der Pianist Paul Janoschka, aber auch Johannes Engelhardt (Bass) und Michael Jeske (Schlagzeug) ein tonales Netz aufspannen, das Garcia und Sibel furchtlos und gestaltungsfreudig erkunden dürften.

Am Ende ist dieses Konzert durch seine persönliche Kraft nicht weniger als eine Hommage auf die Kraft der Gedanken selbst. Denn dass die es einst waren, die aus verrückten Vorhaben Realität formten, ist zweifelsfrei zu konstatieren. Doch zum Finale dieses gut zweistündigen Abends vor allem zu bejubeln.