Mannheim

Interview Ulrike Lorenz freut sich auf ihre neue Aufgabe in Weimar / Die Mannheimer Kunsthalle hält sie für gut aufgestellt und macht sich darum keine Sorgen

„Eine so große intellektuelle Herausforderung“

„Ich musste das tun“, sagt Ulrike Lorenz über ihren Weggang nach Weimar im Interview, das der „MM“ gestern dort mit ihr geführt hat.

Frau Lorenz, 2019 werden Sie die Kunsthalle zehn Jahre geleitet haben. Die richtige Zeit, zu gehen?

Ulrike Lorenz: Ja, ich wäre sonst nicht bereit gewesen, mich auf den Prozess einzulassen. Es war ja ein Ruf, keine Wegbewerbung. Es ist eine so große intellektuelle Herausforderung – ich musste das tun. Aber mich hat auch die irre Idee gereizt, in die Heimat zurückzugehen.

Sie haben in Mannheim gefühlt acht Jahre auf Baustellen verbracht. Grämt es Sie, die Früchte Ihrer Arbeit jetzt nicht mehr so richtig ernten zu können?

Lorenz: Ja und nein. Ich könnte weitermachen, eine Ausstellung nach der anderen. Aber mich reizt schon, in Weimar strategisch die komplexe Situation zu bewältigen.

Auch in Weimar warten Baustellen auf Sie. Sie lieben das, oder?

Lorenz: Als Begleiterscheinung, aber nicht im Zentrum meiner Tätigkeit.

Hier spricht man vom „Kosmos Weimar“ und dem Erbe jahrhundertelanger Kulturgeschichte. Manchen kommt die Stiftung vor wie im Dornröschenschlaf. Wie sieht Ihr Weckprozedere aus?

Lorenz: Ich möchte die Klassik Stiftung Weimar als durchsetzungsfähige Identität formulieren. Das heißt, man muss für gegensätzlichste Inhalte im Grunde genommen einen gemeinsamen Nenner finden und ein starkes Narrativ entwickeln. Dafür habe ich noch keine Patentlösung. Das erhoffe ich mir in der Interaktion mit der Riege starker Führungskräfte und Wissenschaftler.

Haben Sie nicht Angst, in einer Spirale aus Verwaltung und Repräsentation keine Zeit mehr für ihr Herzthema Kunst zu haben?

Lorenz: Das habe ich klar vor Augen und möchte es unbedingt vermeiden. Dabei hilft mir, punktuell immer wieder zurückzukommen zu ganz klaren inhaltlichen Fragestellungen.

Sie stehen sicher in Verbindung mit dem Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz. Wie geht es hier weiter?

Lorenz: Wir müssen intensive Gespräche führen. Ich bin bereit, beratend zur Seite zu stehen bei der Frage: Wohin kann es gehen? Die Organisation und die Menschen in der Kunsthalle sind aber heute so stark, dass es in jedem Fall eine gute Zukunft geben wird. Da bin ich sicher.

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