Mannheim

CDU Der 31-jährige Nikolas Löbel hat im ersten Anlauf das Direktmandat geholt und folgt damit auf Egon Jüttner

Einer, der mitreden will

Archivartikel

Er reckt die Faust, "Ja" schreit er, um ihn herum jubeln die Parteifreunde. Kurz vor 22 Uhr ist es da schon, Nikolas Löbel läuft, ach was, er zieht durch die Menge in die Bar Basso ein, als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Mannheim. Es gibt "Löbel, Löbel"-Sprechchöre, Gratulationen ohne Ende, eine kurze Rede vor den Anhängern der Union, die in der Bar erst ausgeharrt haben und jetzt feiern wollen. Nikolas Löbel hat es geschafft.

Mit 31 Jahren ist er nicht nur der jüngste Politiker, der jetzt als Direktkandidat vom aktuellen Wahlkreis Mannheim aus in den Bundestag einzieht. Er ist mit Egon Jüttner erst der zweite CDU-Politiker, dem das überhaupt gelungen ist. Den langen Weg in den Bundestag hat Löbel mit einer Menge an Ausdauer und Planung vorbereitet. Ehrgeizig, auf diese Beschreibung können sich Unterstützer und Kritiker des Mannheimer CDU-Politikers einigen.

Gegner auch in der Partei

Wer zurückschaut, der sieht jedenfalls einen ungewöhnlich steilen Aufstieg: Erst Kreis- später Landesvorsitzender der Schüler-Union, seit 2011 Landesvorsitzender der Jungen Union. Schon 2009, damals mit 24 Jahren, kommt er in den Gemeinderat. 2011 dann so etwas wie sein erster Coup in Mannheim: Er tritt bei der Landtagswahl im Mannheimer Norden an. Gewinnen kann er nicht, bekannt werden schon.

Und immer wieder zeichnet sich ab: Nikolas Löbel will nicht nur mitmachen, er will vorne dabei sein. Er ist einer, der gerne selbst bestimmt. 2014 übernimmt er den Vorsitz der CDU in Mannheim. Viele spekulieren zu diesem Zeitpunkt, er wolle 2015 selbst bei der Oberbürgermeisterwahl antreten - doch hier zaubert er Peter Rosenberger aus dem Hut, der zwar verliert, aber gut abschneidet - wieder ein Erfolg für Löbel. Den großen Schritt hat er sich für das folgende Jahr aufgehoben, da kündigt er an, für den Bundestag kandidieren zu wollen.

Weniger geradlinig verläuft sein Berufsweg, Löbel scheitert im Jurastudium. In bildungsbürgerlichen Kreisen gilt so etwas nicht gerade als Auszeichnung, aber Löbel gibt nicht auf. Er macht später einen Bachelorabschluss, sein Berufsleben stellt er nie in den Mittelpunkt, wie auch sein Privatleben nicht.

Auf seinem Weg von der Schüler-Union in den Bundestag hat sich Löbel auch in der eigenen Partei nicht nur Freunde gemacht. Widerstände, teils schmutziger Art, gehören dazu. Noch in den vergangenen Wochen verbreitet eine Gruppe unter dem Namen "besorgte CDUler" per E-Mail eine Menge Schmutz über Löbel. Wenn es CDUler waren, was wahrscheinlich ist, dann stimmt der Spruch, dass wer Parteifreunde hat, keine Feinde mehr braucht. "Die Kämpfe", sagt Löbel gestern Abend, "gehören der Vergangenheit an." Zur Party in die Bar Basso kommen gestern übrigens auch Vertreter von FDP und Grünen. Jamaika? Zumindest beim Feiern.

Kein anderer Mannheimer Kandidat hat in dieser Wahl so geklotzt wie Löbel: Plakatkampagnen, Anzeigen, riesige Banner - das kostet, er und seine Familie hätten sich beteiligt, sagt der Politiker.

Jetzt hat er sein Ziel erreicht, er ist im Bundestag. Man darf annehmen, dass Nikolas Löbel auch dort mitreden möchte.

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