Mannheim

Einsatz für das Leben

Archivartikel

Haben Sie sie in Ihrer Nähe auch bereits entdeckt? Ich meine die grünen Kreuze am Straßenrand oder an Wegkreuzungen. Inzwischen ist es ja bekannt, von wem sie aufgestellt wurden und worauf sie hinweisen. Es handelt sich um eine deutschlandweite Aktion von Landwirten, die mit den grünen Kreuzen auf mehrere besorgniserregende Entwicklungen ihres Berufsstandes aufmerksam machen möchten: das immer stärker um sich greifende „Hofsterben“, die schwierigen Arbeitsbedingungen der Bauern, die politischen Auflagen für die Landwirtschaft, das sinkende Ansehen der Berufsgruppe – um nur einige wenige zu nennen.

Mit der Aktion melden sich also diejenigen zu Wort, die in letzter Zeit vermehrt in die Kritik geraten sind. Kritisiert wurde ein angeblich sorgloser Umgang mit Düngemitteln und Pestiziden sowie ein blinder Wille zur Profitmaximierung. Jene Kritik wurde ebenso nicht nur mit Worten geäußert, sondern durch eine Vielzahl von Aktionen untermauert. Den grünen Kreuzen stehen daher Petitionen, öffentliche Kundgebungen und Demonstrationen gegenüber. Und neben all dem spricht ein Teenager vor den Versammlungen der Großen und Mächtigen Klartext und bringt uns alle damit immer wieder zum Nachdenken.

Freiheit christlichen Glaubens

Am 31. Oktober war wieder Reformationstag. Den Gruselgeschichten und Horrorgestalten von Halloween wird die Freiheit des christlichen Glaubens entgegengestellt: Ich muss mich nicht fürchten vor einem strafenden Gott, sondern darf daran glauben, dass er mich – durch Jesus Christus – bedingungslos liebt.

In diesem Jahr gewinnt der Reformationstag für mich darüber hinaus noch eine weitere Bedeutung: Erkenntnis und Einsicht geht häufig der Protest voran. Es braucht das deutliche Wort und die erkennbare Handlung, damit sich allmählich ein Umdenken einstellt. Beispiele aus der Geschichte gibt es viele. Der Mauerfall vor genau 30 Jahren ist eines davon. Auch hier haben Menschen mit Worten, Gesten und friedlichen Aktionen zuvor hochgesicherte Grenzen überwunden.

Aktionen für mehr Klimaschutz auf der einen und grüne Kreuze auf der anderen Seite sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Stellen wir einzelne Gruppen und Interessen nicht einseitig an den Pranger. Nehmen wir stattdessen beide Seiten ernst. Hören wir auf alle Stimmen und bedenken wir alle Positionen. Und versuchen wir dann aber auch, gemeinsam eine Lösung zu finden. Es geht schließlich um die Lebensgrundlage von uns allen. Der Wandel muss sich ganzheitlich und nicht nur auf Kosten einzelner Berufsgruppen vollziehen.

Angst und Hoffnungslosigkeit sollten uns dabei jedoch nicht leiten. Sie hemmen eher, machen blind und uneinsichtig. Halten wir es stattdessen mit Luther, dem der Satz zugeschrieben wird: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Für unser gemeinschaftliches Handeln ist es niemals zu spät. Denn wir sind nicht allein. Diese Welt ist nicht allein. Auch dafür können die grünen Kreuze stehen. Das Kreuz als religiöses Symbol verweist auf den, der die todbringenden Mächte überwunden hat. Das Kreuz, jenes antike Mordwerkzeug, steht für uns Christen daher für das Leben. Es ist unser Auftrag, uns dafür einzusetzen.

David Reichert, Evangelische Kirchengemeinde Ladenburg.

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