Mannheim

Marchivum Lesung und digitale Ausstellung

Enkel im Dialog über Nazizeit

Über das Film- und Buchprojekt „Zwei Wege nach Auschwitz“ lernten sich die Enkel auf Opfer- und Täterseite kennen: Gerald Sander, Enkel von Sophie Stippel, einer frühen Zeugin Jehovas, die acht Jahre in Konzentrationslagern inhaftiert war und im KZ Auschwitz im Haushalt des Lagerkommandanten Rudolf Höß arbeiten musste, und dessen Enkel Rainer Höß, der als erster in seiner Familie das Schweigen brach und seitdem den schwierigen Weg in die Öffentlichkeit geht.

Was beider Großeltern in der NS-Zeit taten und erlebten, hat bis heute Auswirkungen auf das Leben der Enkel. Gerald Sander und Rainer Höß haben sich unabhängig dafür entschieden, ihre Geschichte publik zu machen, um gegen Ausgrenzung aktiv tätig zu werden und statt für Extremismus für den Weg des Miteinanders auf allen Ebenen zu werben. Bei „HistoryLab#1“ treten sie ab Freitag, 7. Februar, im Friedrich-Walter-Saal des Marchivums (Archivplatz 1) gemeinsam an drei Abenden auf.

Film mit Diskussion

Eine digitale Ausstellung präsentiert am Freitag, 7. Februar, im Marchivum (1. Obergeschoss) von 16 bis 21.30 Uhr in vier Installationen bislang unveröffentlichtes Material aus dem Leben der Familien von Rudolf Höß und Sophie Stippel. In einem Gesprächsabend kommen die Enkel beider Familien um 18 Uhr mit Doris Steinbeißer im Friedrich-Walter-Saal in einen Dialog.

Die Lesung „Jetzt ist’s wieder Frühling, draußen blüht alles in schönster Pracht“ mit der Schauspielerin Hedwig Franke und dem Schauspieler Mathias Wendel inszeniert am Samstag, 8. Februar, um 18 Uhr, Briefe von Sophie Stippel und ihrer Familie vor dem Hintergrund von Ereignissen aus dem Raum Mannheim und Auschwitz. Cathérine Gallier moderiert.

Im Film „Enkel“ von Aleksandar Reljic werden Rainer Höß und die Auschwitz-Überlebende Eva Mozes Kor vorgestellt. Die beiden zeigen, dass es möglich ist, nach dem Holocaust in einen Dialog zu treten und eine gesellschaftliche Veränderung herbeizuführen. Im Anschluss an die Filmvorführung findet eine Diskussion mit Rainer Höß und Gerald Sander statt.

Der Film wird am Sonntag, 9. Februar, um 12 Uhr im Kino Modernes Theater in Weinheim (Hauptstraße 61) gezeigt. red/mai

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