Mannheim

Nationaltheater Gemeinderat soll nächste Schritte zur Generalsanierung beschließen

Entscheidung am 24. Juli

Archivartikel

Am 24. Juli wird der Gemeinderat über die mögliche Generalsanierung des Nationaltheaters beraten. Vorab dazu die wichtigsten Stichworte:

Das Gebäude:

Das Nationaltheater auf dem Goetheplatz ist vom Architekten Gerhard Weber entworfen und 1957 in Betrieb genommen worden. Es ist als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung eingestuft.

Bisherige Sanierungen:

Bereits Mitte der 1980er Jahre bis 1994 gab es mehrere Sanierungsschritte, mussten immer wieder Sicherheitsmängel behoben werden. In den vergangenen zehn Jahren wurden allein zehn Millionen Euro in das Gebäude gesteckt. Eine Generalsanierung aber unterblieb.

Der Sanierungsbedarf:

Ein Hauptproblem ist der Brandschutz. Wände und Decken würden Flammen gerade mal 30 Minuten standhalten – 90 Minuten sind heute vorgeschrieben. Es gibt nicht überall die nötigen Fluchtwege. Abschottungen gegen Rauch und Flammen sowie eine flächendeckende Brandmelde- und Sprinkleranlage fehlen. Alle Leitungen sind überaltert, marode und entsprechen nicht mehr den Vorschriften. Gebäudesubstanz, Arbeits- und Sanitärräume, Foyer und Zuschauerräume bedürfen grundlegender Erneuerung – die vorhandenen Materialien sind laut Stadt verbraucht, unhygienisch und teils nicht mehr zulässig. Aus dem als Lager genutzten Bunker unter dem Theater dringt Feuchtigkeit ein.

Drohende Schließung:

Am 31. Dezember 2020 endet die Betriebserlaubnis für die alte Technik. Nur mit der Aussicht auf eine Generalsanierung wurde sie bis Mitte 2022 verlängert, wenn auch mit Auflagen für erhöhten organisatorischen und personellen Brandschutz. Beginnt die Generalsanierung nicht bis zum 1. Januar 2023, erlischt die Betriebserlaubnis endgültig.

Der Zeitplan:

Die Bauzeit beträgt vier Jahre. Von 2022 bis 2026 wäre das Nationaltheater dann geschlossen.

Die Kosten:

Das Architekturbüro Schmucker legte im Juli 2017 eine Kostenschätzung von 185 Millionen Euro vor. Seit Mai gibt es eine endgültige Kostenberechnung von 200 Millionen Euro für die reinen Bauarbeiten (ohne Umzug und Ersatzspielstätten).

Die Kostenträger:

Der Bund hat, verteilt auf die Jahre 2018 bis 2026, insgesamt einen Zuschuss von 80 Millionen Euro zugesagt. Die Stadt hofft, dass das Land sich mit einem Betrag in gleicher Höhe engagiert. Dann blieben aus dem städtischen Etat weitere 80 Millionen Euro zu decken – wenn man in der Summe von 200 Euro Baukosten und 40 Millionen für Ersatzspielstätten, Umzug usw. ausgeht.

Das Land:

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die zuständige Ministerin Theresia Bauer haben ihre Hilfe, aber bisher keine konkrete Summe zugesagt. Auch aus den Fraktionen der Grünen, der CDU und der SPD im Landtag gibt es Signale, dass sie einer Förderung der Mannheimer Theatersanierung zustimmen. Die Entscheidung soll politisch noch vor der Sommerpause, formal mit dem Nachtragsetat im Herbst fallen.

Ersatzspielstätten:

Für das Schauspiel wird der Umbau des amerikanischen Kinos im Benjamin-Franklin-Village geprüft, das Ballett will sein Tanzhaus in Käfertal stärker bespielen. Für die Oper sind Anmietungen von Rosengarten, Rokokotheater Schwetzingen, Pfalzbau im Gespräch. Entschieden ist nichts.

Bisherige Beschlüsse der Stadt:

Der Gemeinderat fällte im Juni 2015 einen Grundsatzbeschluss. Nach einer Ausschreibung wurde das Architekturbüro Schmucker im Oktober 2016 mit der Planung beauftragt.

Entscheidung im Juli:

Der Gemeinderat soll nun am 24. Juli entscheiden, ob auf Basis der Kosten von 200 Millionen Euro die weiteren Vorbereitungen, Planungen und Aufträge dafür erfolgen können. pwr

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