Mannheim

Ppppodcast Stotternder spricht über Erlebnisse als Jugendlicher

Episode 3: Der Schüler

Archivartikel

Es heißt manchmal, niemand sei so grausam, wie Kinder es sind. Sicherlich trifft das nicht immer zu. Aber besonders dann, wenn es im Verbund gegen Schwächere geht, kann sich der Nachwuchs schnell von seiner schlechten, eben von seiner grausamen Seite präsentieren. Das zeigt sich etwa an der Leidensgeschichte eines heute Anfang-20-Jährigen aus der Region.

In der dritten Episode des vom stotternden Redakteur Sebastian Koch moderierten „Ppppodcasts“ unterhält der sich mit seinem Gesprächspartner über seine Mobbingerlebnisse während der Schulzeit. Der Gesprächspartner, wir nennen ihn hier A., möchte nicht erkannt werden, ja, A. will vollständig anonym bleiben. „Ich habe unter mein Schulleben einen Schlussstrich gezogen und ein neues Leben angefangen. Das möchte ich nicht vermischen – und deshalb will ich anonym bleiben.“


In der Episode, die ab diesem Mittwoch zu hören ist, liest deshalb „MM“-Redakteur Torsten Gertkemper die Antworten von A. aus dem Protokoll vor. Nachdem A. wegen seines Stotterns keine Grundschule gefunden und deshalb eine Sprachheilschule besucht hatte, bekommt er auf der weiterführenden Schule Probleme. „In der siebten und achten Klasse hat es mit Hänseleien angefangen. Es waren nur ein oder zwei Mitschüler, die aber die ganze Klasse mitgezogen haben.“

Die Hänseleien entwickeln sich zum Mobbing. A. bekommt Angst, zur Schule zu gehen. Auch physisch leidet er, seine Magen-Schleimhaut entzündet sich. Bis heute zeigen sich Folgen des Mobbings im Alltag. Die weiteren Entwicklungen sind im Ppppodcast zu hören.

Der zweite Teil des Dialogs dreht sich vor allem um Prävention. Etwa 92 Prozent aller stotternden Schüler hätten in Deutschland schon Erfahrungen mit Mobbing gemacht, zitiert A. eine Studie von 2004 – aus Zeiten ohne Soziale Medien und deren mitunter asoziale Folgen. Ein Grund für die hohe Zahl sei, dass neben Jugendlichen auch „nur wenige Lehrer etwas über Stottern wissen“, erklärt A. „Das habe ich auch selbst erfahren.“ Im Gespräch gibt A. Hinweise, wie sich Klassenkameraden und Pädagogen gegenüber stotternden Schülern richtig verhalten.

A. selbst hat die Schule nach der Mittleren Reife verlassen, eine Ausbildung absolviert und sagt heute: „Ich spreche gerne! Inzwischen sehe ich das Stottern als etwas Positives an, auch wenn ich natürlich nicht froh bin zu stottern.“ Den Grund? Den verrät er auf Spotify, Deezer, Apple Podcast und auf der Webseite dieser Redaktion.

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