Mannheim

Ppppodcast Grünen-Politiker Malte Spitz im Gespräch

Episode 4: Der Politiker

Archivartikel

Mannheim.Politiker halten Reden. Viele Reden. Im Bundestag. Im Wahlkampf. In der Öffentlichkeit. Nicht selten entscheidet Rhetorik über die Umsetzung politischer Inhalte.

Die Rhetorik, das Sprechen als Hürde für den Traumberuf Politiker? Für Malte Spitz war es das nicht. Obwohl er seit seiner Kindheit stottert, ergriff er den Beruf des Politikers. Von 2006 bis 2013 war Spitz Beisitzer im Bundesvorstand von Bündnis’90/Die Grünen. Angst vor Reden, etwa auf Parteitagen, hatte Spitz nicht. Eine starke Rhetorik sei zwar begeisternd, aber „ich glaube, dass das nicht die Politik ausmacht.“


Spitz ist Gast im Stotter-Podcast dieser Redaktion. Im „Ppppodcast“ unterhält er sich mit dem stotternden „MM“-Redakteur Sebastian Koch über seine politische Karriere. „Das Stottern war für mich nie die Hürde, die für mich nicht überklimmbar war“, sagt er. Zu Beginn habe Spitz „rhetorische Schwächen“ durch „besonders gutes Schreiben oder besonders gute Fachkenntnisse“ ausgleichen müssen. „Das ist auch das, was zählt“, sagt er: „Stottern ist kein Handicap, weswegen man keine Politik machen kann.“

Und doch ist das Stottern ein regelmäßiger Begleiter im Alltag von Spitz, der 2013 aus dem Bundesvorstand seiner Partei und auch aus der Berufspolitik auf eigenen Wunsch hin ausgeschieden ist. „Natürlich bekommt man regelmäßig irgendwie negative Reaktionen“, sagt Spitz. „Das ist natürlich ätzend“, auch wenn keine Reaktion sein Leben nachhaltig eingeschränkt habe. Auch die nicht, als etwa ein Radiosender ein Live-Interview mit ihm nach einer Landtagswahl wegen „technischer Probleme“ abbrach. „Das ist natürlich ärgerlich.“ Seitdem spricht Spitz das Stottern frühzeitig an. Die Konsequenz vieler Medien: „Oh ne, dann lieber nicht“, erklärt Spitz. „Ich weiß nicht, wie viele Einladungen zu Fernsehtalkshows oder -Interviews nie aufgenommen oder ausgestrahlt worden sind, weil ich Stotterer bin. Das ist natürlich ätzend.“

Dass Stottern im Alltag normal werde, daran glaubt Spitz nicht. Eher in „20 Jahren“ als in „drei oder fünf Jahren“ werde das der Fall sein. Hier könne sich Deutschland an den USA orientieren. Bei allem, was dort schief laufe, könne man sehen, „wie normal eine Gesellschaft mit diesem Anderssein umgehen kann“.

Was sich Spitz von Betroffenen erhofft und welche Aufgaben die Gesellschaft dabei erfüllen muss, ist auf Spotify, Deezer, Apple Podcast oder im Morgenweb zu hören.

Zum Thema