Mannheim

Ppppodcast Sechste Episode mit Martin Seefeld

Episode 6: Die Selbsthilfe

Archivartikel

Wer sich mit Martin Seefeld unterhält, ja, wer ihn sprechen hört, der merkt erstmal nicht, dass der 34-Jährige stottert. Mit konzentriertem Blick, großer Ruhe und seiner tiefen, angenehm wirkenden Stimme formuliert er seine Sätze. Silbe reiht sich an Silbe, Satz an Satz - von Blockaden ist kaum etwas zu hören. „Wenn man mich am Alltag reden hört, würde man sagen, dass ich nicht stottere“, sagt Seefeld über sich. „Aber ich merke immer noch, dass ich eine Symptomatik habe, die ich durch viel Training und Arbeit am Stottern unter Kontrolle habe.“ Auch wenn er sein Sprechen im Griff hat, fühle er sich noch immer als Stotternder.

Seefeld ist Vorsitzender der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe Baden-Württemberg und leitet die Flow-Gruppe Heidelberg, eine Selbsthilfegruppe für junge Stotternde. In der an diesem Mittwoch erscheinenden sechsten Episode des Ppppodcasts, dem Stotterer-Podcast dieser Redaktion, ist er Gesprächspartner von Moderator und „MM“-Redakteur Sebastian Koch, der selbst stottert.

Seefeld war „zwölf oder dreizehn“ Jahre alt, als er zum ersten Mal im Leben die Erfahrung gemacht hat, flüssig, „ohne Stotterdruck und Stotterangst“ sprechen zu können. Nach einem zweiwöchigen Intensivkurs in der Kasseler Stottertherapie sprach er damals blockadefrei. „Nach einem Jahr ist das leider wieder in sich zusammengefallen und ich war da, wo ich vorher war.“ Im Übrigen eine Erfahrung, die Seefeld mit Koch teilt.

Seefeld wählte den Weg in die Selbsthilfe, fühlte sich dort, wo viele andere Betroffene offen und ehrlich über ihr Stottern und vor allem mit ihrem Stottern sprechen, wohl - und ist der Selbsthilfe bis heute mit großem Engagement treu geblieben. „Für mein Stottern ist die Selbsthilfe systemrelevant“, sagt er mit Blick auf das durch die Corona-Maßnahmen erschwerte Organisieren von gemeinsamen Treffen.

Selbsthilfe - die ist noch immer mit eher negativen Klischees assoziiert. Bedenken, die auch Seefeld vor seinem ersten Besuch nicht vollends beiseite legen konnte. „Der Begriff ’Selbsthilfe’ ist einfach recht negativ besetzt“, sagt er. „Ich hatte auch schon Begegnungen, bei denen das typische Selbsthilfe-Klischee erfüllt wird.“ Doch abgehalten hat ihn das nicht. Im Gegenteil: Seefeld will mit diesen Vorurteilen aufräumen.

Wie Seefeld das erreicht, was sich hinter der bundesweiten Stotternden-Bewegung „Flow“ verbirgt und was er als Landesvorsitzender Stottern & Selbsthilfe bewirkt, das ist auf der Webseite dieser Redaktion sowie auf Spotify, Deezer und Apple Podcast zu hören.

Alle Ppppodcast-Episoden unter: morgenweb.de/stottern

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