Mannheim

Ehrungen Jüdische Gemeinde beginnt ihr Chanukka-Fest und würdigt Autor Volker Keller für seine publizistischen Leistungen

„Er liebt den Ort, an dem er lebt“

In Berlin entzündet Bundespräsident Frank Walter Steinmeier vor dem Brandenburger Tor das erste Chanukka-Licht, und parallel dazu geschieht dies öffentlich auch in vielen anderen deutschen Städten. In Mannheim bildet dieser Beginn des jüdischen Lichterfestes zudem den Rahmen für eine wichtige Ehrung: Die Jüdische Gemeinde Mannheim würdigt den Autor Volker Keller.

Sonntagabend, 18 Uhr. Der Nieselregen macht eine kleine Pause. Der Rabbiner-Grünewald-Platz vor dem Jüdischen Gemeindezentrum ist voller Menschen. Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, viele nichtjüdische Bürger, Repräsentanten der Stadt und der christlichen Kirchen.

„Dass Lichterfest und erster Advent diesmal zusammenfallen, das ist ein schöner Zufall, aber auch ein Symbol für unser Zusammenstehen“, freut sich der Vorsitzende der Gemeinde, Majid Khoshlessan. „Wir sind überwältigt von diesem Zuspruch. Er tut gut – gerade in Zeiten von zunehmendem Antisemitismus.“ „In Mannheim ist kein Platz für Hass und Hetze“, versichert Stadtrat Thorsten Riehle im Namen der Stadt: „Heute zeigt sich: Wir, die wir den demokratischen Werten verpflichtet sind, sind mehr.“

Erforschung der Stadtgeschichte

Nachdem Kantor Amnon Seelig das erste Licht entzündet und in der Synagoge das Gebet gesprochen hat, erfolgt die Ehrung von Volker Keller. 1954 geboren und von 2009 bis 2017 Rektor der Mozartschule, widmet er sich seit den 1970er Jahren der Stadtgeschichte – in Beiträgen für Zeitungen (auch für den „Mannheimer Morgen“) und wissenschaftlichen Zeitschriften, vor allem in Büchern, an die 20 mittlerweile. Darunter auch solche für Kinder, denen er die Stadtgeschichte damit näherbringt.

„Er liebt den Ort, an dem er lebt“, formuliert Dr. Esther Graf in ihrer einfühlsamen Laudatio, „aber ohne jede nationalistische Verblendung.“ Einen Schwerpunkt seiner Forschungs- und Publikationstätigkeit bildet die Geschichte und das Leben der Jüdischen Gemeinde in Mannheim. Seine Veröffentlichungen „Bilder vom Jüdischen Leben in Mannheim“ (1988), über die Klauss-Synagoge (1012) und über den Jüdischen Friedhof (2017) sind längst Standardwerke zu diesem Thema. „Ohne Mitglied zu sein, ist er Teil unserer Gemeinde“, weiß Esther Graf. Und nun erhält er auch ganz offiziell einen festen Sitzplatz in der Synagoge, der quasi Teil der Ehrung ist.

Arbeit geht weiter

„Ich bin tief gerührt“, bekennt der Geehrte: „Und ich freue mich riesig.“ Bewegt erinnert er an viele Gespräche mit ehemaligen jüdischen Bürgern in Mannheim, in den USA, in Israel. Und er bekennt: „Ihr Wirken muss im Gedächtnis der Stadt erhalten bleiben.“ Dafür will er auch weiter arbeiten, ganz konkret das Archiv der Jüdischen Gemeinde neu ordnen. In der Ehrung sieht er daher Dank, aber auch Ansporn: „Ich fühle mich ausgezeichnet“, bekennt er durchaus im doppelten Wortsinne.

Da können ihm die Gäste dieses Abends nur zustimmen. Dazu wesentlich beizutragen vermag die musikalische Umrahmung durch den Chor der Jüdischen Gemeinde sowie durch Kantor Seelig und Pinchas von Piechowski, Erster Violinist am Nationaltheater Mannheim.