Mannheim

Kultur Theater Oliv feiert 18. Geburtstag und sucht Geschichten rund um die Volljährigkeit

Erfahrungen mit dem Erwachsenwerden

Wann war der Moment, in dem ich erwachsen wurde? Bin ich es überhaupt schon? Oder nur manchmal? Das sind die Fragen, mit denen sich derzeit Boris Ben Siegel vom Theater Oliv beschäftigt. Grund für die gedankliche Aufbereitung ist der Geburtstag seines Theaters. Seit 18 Jahren besteht die Bühne in diesem Jahr und wird nun also volljährig.

„Wir möchten das zum Anlass nehmen, um Geschichten zum Erwachsenwerden in unser Theater zu holen.“ Über einen Newsletter hat er bereits Fragen an alle Oliv-Freunde geschickt – die Resonanz: „Rund 20 Leute haben geantwortet.“

Siegel wollte beispielsweise wissen: „Ließen Deine Eltern Dich mit diesem Tag (dem 18. Geburtstag, Anmerkung der Redaktion), schon vor diesem Tag oder noch lange nicht nach diesem Tag ,erwachsen‘ sein?“ Oder „Was löst das Wort ,minderjährig‘ bei Dir für Assoziationen aus?“ oder „Was hast Du Dir damals als Jugendlicher vom Erwachsenwerden erträumt und was davon ist auch tatsächlich eingetreten?“. Die Antworten seien, so viel verrät der Schauspieler schon jetzt, sehr gegensätzlich. „Aber das macht das Ganze eigentlich noch viel spannender“, findet er.

Bühnenreife Erlebnisse

Siegel, übrigens 55 Jahre alt und nach eigenen Angaben „gefühlt seit kurzem auf dem Weg des Erwachsenwerdens“, möchte dann alle gesammelten Antworten, Werke, Geschichten und Gedanken auf die Bühne bringen.

Wie der oder die Abende dann tatsächlich verlaufen, das weiß er konkret noch nicht. „Es hängt jetzt davon ab, was uns so alles an Reaktionen erreicht. Vielleicht möchte auch jemand seine Geschichte auf der Bühne selbst erzählen, dann will ich das auch möglich machen“, stellt er in Aussicht.

Siegel könnte sich vorstellen, dass besonders Mütter, deren Nachwuchs gerade das Haus verlässt, viel zu erzählen haben. Und zwar von ihrer eigenen Gefühlslage, aber auch davon, wie sie ihr Kind, das sich im Prozess des Erwachsenwerdens befindet, erleben.

Zugleich, so meint der Künstler, kennt er auch Anfangzwanzigjährige, die völlig unterschiedliche Auffassungen vom Erwachsenwerden haben. „Und dann gibt es ja noch andere Gruppen, wie zum Beispiel diejenigen, die gar nicht erwachsen werden wollen oder solche, die sich erwachsen verhalten müssen, obwohl sie nicht möchten“, glaubt Siegel, und hofft, auch von diesen Personen eine Nachricht zu erhalten.

Die Zusammenfassung aller Zusendungen soll dann also am Geburtstag des Theaters Oliv bühnenreif inszeniert werden. Schon im Mai wird es soweit sein, am 18. versteht sich.