Mannheim

Geburtstag Michael Trede feiert seinen 90. Geburtstag mit Frau, fünf Kindern und 13 Enkeln

Erfolgs-Chirurg mit Kunstsinn

„Diesmal fliehe ich nicht!“ Michael Trede, ehemaliger Chef-Chirurg am Mannheimer Klinikum und Lehrstuhlinhaber, meint damit seinen heutigen 90. Geburtstag, den er zuhause mit der Familie feiern will. Und dazu gehören neben seiner Ehefrau Ursula Trede-Boettcher fünf (in vier Ländern lebende) Söhne und Töchter sowie 13 Enkel.

Der gebürtige Hamburger, der als Junge mit seiner aus einer jüdischen Familie stammenden Mutter während des Nazi-Regimes nach England flüchten musste, aber dort dank eines Stipendiums das Medizinstudium absolvieren konnte, hat ein Vierteljahrhundert (1972 bis 1998) am Uni-Klinikum die Chirurgische Klinik geleitet und ihr zu fachlichem Renommee verholfen. Vor allem bei Eingriffen an der Bauchspeicheldrüse, damals „Cadillac unter den Operationen“ genannt, galt Trede als erfolgreicher Pionier.

Als er das Skalpell aus der Hand legte, griff er weiterhin zum Farbpinsel. Der promovierte und habilitierte Mediziner ist begeisterter Maler. Im Ruhestand hat er obendrein sein schriftstellerisches Talent gepflegt. Vor einigen Wochen las er in der Kulturkirche Epiphanias aus seinen humorvollen Kurzgeschichten „Spätlese“, die von Kapriolen eines alternden Mannes in einer sich immer verrückter drehenden Welt handeln.

Der einstige Klinik-Direktor hat nicht nur klassische Melodien im OP-Saal erklingen lassen – zu seiner Zeit eine kleine Sensation – er spielt auch Geige und macht bis heute mit seiner Frau, einer ausgebildeten Pianistin, Hausmusik. Nur das Kraxeln im Hochgebirge hat er nach dem 85. Geburtstag aufgegeben. „Spaziergänge auf Feldern rund um Feudenheim müssen jetzt reichen.“ Über Altersmühsal will er nicht klagen. „Meine Gesundheit ist so, dass ich den Alltag genießen kann.“ Und wenn er mal krank sei, vertraue er sich den „hervorragenden Kollegen“ im Klinikum an.

In einigen Tagen wird Trede mit ehemaligen Assistenten und den beiden Klinik-Nachfolgern den Geburtstag nachfeiern. Für seinen Ruf als klinischer Ausbilder spricht, dass aus seiner Mannschaft 36 der einstigen Nachwuchs-Chirurgen inzwischen Chefärzte geworden sind. „Einer ist Ordinarius in Dresden.“