Mannheim

Kontrollen Polizei präsentiert Bilanz für die abgelaufene Saison / An 40 Tagen wurden 429 Fahrzeuge und 597 Personen überprüft

Ermittler ziehen 22 Protzer-Autos aus dem Verkehr

Archivartikel

22 Autos von sogenannten Posern hat die Polizei über den Sommer sichergestellt und entstempelt. Den Haltern wurde der Betrieb ihres Fahrzeugs untersagt. Um es neu zuzulassen, müssen sie zunächst den ordnungsgemäßen Zustand wiederherstellen. Diese Bilanz veröffentlichten die Ermittler am Mittwoch, nachdem sie die mittlerweile vierte Poser-Kontrollsaison mit Beginn des Oktobers beendet hatten. Demnach wurden an 40 Kontrolltagen genau 429 Fahrzeuge und 597 Personen überprüft.

„Solange junge Männer aus Macho-Kulturen ihren Geltungsdrang über laute Fahrzeuge definieren, solange werden wir uns mit dem Phänomen ,Poser‘ beschäftigen müssen“, bezeichnet Dieter Schäfer, Chef der Verkehrspolizeidirektion, die Szene nach wie vor als aktiv. Sorgen bereiten ihm junge Männer, die sich hochmotorisierte Autos bei Verleihfirmen mieten.

Bürger melden Störungen

Bei den mehreren hundert PS starken Gefährten und spontanen Beschleunigungsrennen – beispielsweise an roten Ampeln – bestehe immer die Gefahr eines Unfalls und schwerer Verletzungen. „Wir hatten seit 2017 vier schwere Raserunfälle mit jungen türkischen oder türkischstämmigen Männern. Einer endete tödlich, bei den anderen drei war lediglich Glück im Spiel“, so Schäfer. Wer an solchen Beschleunigungsrennen teilnimmt, riskiert eine Vorladung zu einer medizinisch psychologischen Untersuchung (MPU).

Gezielte Ansprachen – etwa in der Innenstadt und an Treffpunkten am Hafen – hätten die Akzeptanz für die Maßnahmen der Polizei sowie die Einsicht vergrößert, „durch Verzicht auf typisches Posergehabe zur Lärmreduzierung in der Innenstadt beizutragen“. Von Bürgern erhielten die Ermittler 233 Poser-Meldungen, in 19 Fällen wurden die Halter mit der Gelben Karte „Stop Posing“ angeschrieben. „Da Posen ein Schönwetterphänomen ist, wird es im Winterhalbjahr erfahrungsgemäß ruhiger“, sagt Schäfer. Gemeldet werden können Störungen aber auch während des Winterhalbjahres per E-Mail an mannheim.vd@polizei.bwl.de. Die Adresse ist auch in Heidelberg und im Rhein-Neckar-Kreis angenommen. Hinweise werden ans zuständige Revier geleitet.

Schäfer hofft weiter auf einen eigenen Bußgeldtatbestand gegen Posen von mindestens 100 Euro. Im April hatte Baden-Württemberg bei der Verkehrsministerkonferenz den Vorschlag eingebracht. Das, so Schäfer, würde die Vorladung zur MPU beschleunigen, da die Fahrerlaubnisverordnung einen erheblichen oder mehrere Verstöße gegen Vorschriften fordere. red/lok

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