Mannheim

„Ella & Louis“ Thomas Siffling öffnet seinen Laden am Rosenmontag für einen Versuch auf künstlerischem Neuland

Erste Fasnachtsparty mit Brass-Band

Für Thomas Siffling lagen die Optionen klar auf dem Tisch: „Entweder ich mache meinen Laden am Rosenmontag zu – oder ich biete eine Tanzveranstaltung an, die diese Stadt noch nicht gesehen hat.“ Der Trompeter und Jazzclub-Betreiber entschied sich zielsicher für Letzteres – und betritt in Mannheim künstlerisches Neuland. Wenn das Marchingband-Kollektiv Brass2Go am 24. Februar im „Ella & Louis“ das erste stationäre Konzert der eigenen Karriere gibt, will Siffling die Menge tanzen lassen, und das im besten Mardi-Gras-Stil. Bunt, laut und in folkloristischer Ausgelassenheit.

Für seine neue Mission hat sich Siffling keineswegs von ungefähr das Septett auserwählt, das sich einst an der Musikhochschule zur Performance-Combo formierte. Der Jazz-Routinier hat dafür zwei Gründe. Der eine liegt in der Erfolgsgeschichte der verrückten Truppe selbst. Als Männer mit den roten Anzügen haben die sieben Instrumentalisten mit ihren punktgenauen Arrangements spontane Straßenkonzerte in Mannheim und der Region gespielt, sich über Youtube-Videos und Mundpropaganda aber längst auch einen Namen in der Szene gemacht. Denn wer Medleys von Bruno Mars ebenso sauber und fetzig intoniert wie den „Kleinen grünen Kaktus“, wird eben nicht nur digital gefeiert, sondern auch überregional gebucht.

Werdegang genau verfolgt

Beim großen Jubiläum der Frankfurt-Skyliners-Basketballer spielten Brass2Go ebenso wie beim renommierten Brasserie-Festival in Salzburg, auch auf der Musikerlebnismesse in Leipzig oder beim Spiel der Fußball-Nationalmannschaft gegen Nordirland in Frankfurt. Und dass Sousaphonist und Band-Gründer Frederic Andrej unter anderem bei Sifflings Band Chamäleon Project seinen Dienst verrichtet, kam für den Trompeter gerade recht.

Selbstverständlich verfolgt der Künstlerische Leiter und Inhaber des „Ella & Louis“ den Werdegang von Brass2Go ganz genau. Zunächst installierte er mit der Swing- und der Soul-Night zwei Veranstaltungen, die bewusst so konzipiert waren, dass sie den Schwerpunkt auf Live-Musik zum Mittanzen setzten. Als sie erfolgreich wurden, traute sich Siffling an die neue Mardi-Gras-Party. Was in Amerika längst Musik gewordener Kult ist, will Siffling auf Mannheim transferieren. Und denkt dabei sowohl an die Tradition des amerikanischen Jazz in den Clubs der Nachkriegsgeschichte als auch an eine Alternative für Menschen, die sich an Fasnacht nur dezent verkleiden, aber ausgiebig tanzen wollen.

„Eine große Ehre“

Auch für Trommler Robert Pfankuchen und die Seinen wird das eine ganz ungewohnte, wenngleich auch reizvolle Herausforderung. „Bei fast allen unserer Konzerte war es ja so, dass wir durch die spontane Atmosphäre überhaupt nicht wussten, für wen wir spielen werden. Dass du da nicht alle erreichst, ist klar“, sagt Pfankuchen. „Wenn sich nun Menschen bewusst Tickets kaufen, um uns zu sehen, ist das eine große Ehre – aber wir fühlen uns natürlich auch verantwortlich, da jeden abzuholen.“ Daher hätten sie vor diesem neuen Erlebnis großen Respekt.

Zumal die Jungs von Brass2Go ihr Konzept eines mobilen Unterhaltungsdienstes vom Fach auch im „Ella & Louis“ keineswegs aufgeben wollen. Jede Note werde da noch einmal akribisch geübt, jede Choreografie auf den begrenzten Raum hin optimiert, versichert Pfankuchen. Augenzwinkernd fügt der Basstrommler hinzu: „Wir werden sicher auch die eine oder andere Polonaise starten.“ Er verspricht den Gästen einen Abend, der neben jeder Menge Spielfreude vor allem die Leichtigkeit des Lebens spürbar machen soll.

Ein Konzept, an das auch Thomas Siffling glaubt: „Ich bin tief davon überzeugt, dass das der Anfang von noch viel mehr Partys dieser Art werden kann. Doch jetzt machen wir erst einmal den Anfang. Das wird ein gigantisches Vergnügen!“

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