Mannheim

Geburtstag Kürschnermeister Peter Plappert wird 80 Jahre alt / Industriell gefertigte Pelze aus minderwertigen Fellen als „Tod des Handwerks“

Erster Arbeitsplatz: Ein Brett auf der Badewanne

Seiner Profession, dem Pelz, fühlt sich Peter Plappert nach wie vor verbunden – auch wenn er das Geschäft gegenüber des Nationaltheaters samt Filiale in Hockenheim 2001 seiner Tochter übergeben hat. An diesem Donnerstag feiert der Kürschnermeister und einstige Innungsobermeister seinen 80. Geburtstag – mit Ehefrau Kätchen und der Familie, zu der zwei erwachsene Kinder und drei Enkel gehören.

Kürschner stellen Kleidung aus Pelzen her: Hautnah hat Plappert den schwierigen Neubeginn nach dem Krieg, den kreativen Höhenflug wie auch den Niedergang des Traditionshandwerks erlebt. Schließlich richteten seine Eltern – der Vater Kürschnermeister, die Mutter Damenschneidermeisterin – bereits 1947 in einer Etagenwohnung eine kleine Werkstatt ein. Plappert erinnert sich noch gut, wie mit Leiterwägelchen über Dörfer gezogen wurde, um an Kaninchenfelle zu kommen. Als er sich tüftelnd an Pelzreste wagte, wurde für ihn ein Brett auf die Badewanne gelegt – „mein erster Arbeitsplatz noch vor der Lehre“.

Erstes beleuchtetes Schaufenster

1950 erfolgte von der Nuitsstraße, heute Mozartstraße, der Umzug nach S 6,21 in ein richtiges Ladenlokal – „unser Geschäft war damals das einzige am Ring mit nachts beleuchtetem Schaufester“. Symbolische Strahlkraft sollte als nobler Modemacher das gesamte haarige Handwerk in den 1960ern und vor allem in den 1970ern entwickeln. Peter Plappert erzählt, wie Kollegen aus ganz Deutschland nach Mannheim blickten. Weil es hiesige Pelzgeschäfte waren, die bei Modellwettbewerben anlässlich der internationalen Rauchwarenmesse in Frankfurt Jahr für Jahr hochkarätige Designer-Trophäen einheimsten – insbesondere das Haus Kunze, aber auch Schwenzke, Geng und Plappert. In der Blütezeit beschäftigte das Familienunternehmen 33 Mitarbeiter.

Peter Plappert, der 1978 unternehmerische Verantwortung übernommen, in Hockenheim ein Zweitgeschäft aufgebaut und sich jahrzehntelang in der Innung engagiert hat, ist überzeugt: Zum Niedergang der Branche trugen nicht nur Tierschützer-Aktionen bei. Als eigentlichen „Tod des Handwerks“ sieht er den in den 1980ern verstärkten Import von industriell gefertigter Pelzmode aus minderwertigen Fellen, die das einstige Qualitätsprodukt zur Massenware degradierten. „Als ich im Verkaufsraum einer Münchner Tankstelle einen Ständer mit Billig-Pelzen sah, wusste ich: Es ist vorbei.“

Natürlich freut ihn, dass Plappert das große Sterben in der Branche überlebt hat – als einziges Pelz-Fachgeschäft in Mannheim. Gleichwohl bedauert er, dass die Rhein-Neckar-Region inzwischen „fast kürschnerfrei“ ist. Mit Stolz erfüllt ihn, dass seine Tochter Susanne Plappert-Piller, Kürschnermeisterin und Betriebswirtin des Handwerks, schon früh auf Nachhaltigkeit gesetzt und sich aufs „Umdesignen“ von altem, aber edlem Material spezialisiert hat. „Und wenn es beim Verarbeiten mal knifflig wird, dann frage ich unseren erfahrenen Betriebsdino – der hat immer einen Tipp“, umschreibt die Tochter den Papa als „graue Eminenz im Hintergrund“.

Außerdem ist Peter Plappert zur Stelle, wenn langjährige Stammkundinnen bei Neukreationen aus Omas Persianermantel oder dem Nerzjäckchen fürs Konzert vom Seniorchef mitberaten werden möchten. So nahe er seiner Profession geblieben ist, das Wildwasser-Kajakfahren hat er als Hobby aufgegeben.

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