Mannheim

Es gibt Witzigeres

Archivartikel

Eigentlich haben die Nazi-Zwerge von Ottmar Hörl in jeder Hinsicht einen langen Bart. Seit der Kunstprovokateur sie vor zehn Jahren geschaffen hat, entzünden sich daran immer wieder Diskussionen. Staatsanwälte und Gerichte haben sich damit ausführlich befasst, die rechtliche Grundlage – Freiheit der Kunst – ist hinreichend geklärt. Das werden aber die wenigsten der vielen Menschen, die zwischen Planken und Freßgasse durch die Kurfürstenpassage laufen, wissen. Müssen sie auch nicht. Manche dürften die Gartenzwerge als Satire erkennen, andere kopfschüttelnd weitergehen. Empörte Leser haben sich nun an den „MM“ gewandt. Ihnen missfällt gerade angesichts der jüngsten Vorfälle in Sachsen, auch noch in Mannheim den Hitlergruß sehen zu müssen. Das ist sehr verständlich.

Doch deswegen die Freiheit der Kunst einzuschränken, wäre falsch. Im Gegenteil: Die künstlerische Überzeichnung ist ein wunderbares Mittel im Umgang mit Nazis. Sie setzt ihnen etwas entgegen, das sie in aller Regel überhaupt nicht haben: Humor.

Das muss nicht in jedem Fall gelingen. Es gibt – von Charly Chaplin über Monty Python bis zu lichteren Momenten der „heute-show“ – unbestreitbar Witzigeres über Nazis als Hörls Gartenzwerge. Die kann man, jeweils mit nachvollziehbaren Argumenten, gut oder schlecht finden. Subjektive Empfehlung: wenig lustig, aber harmlos.

Das treffendste Bild eines Nazis, auch das ist wieder subjektiv, hat übrigens kein Künstler geschaffen, sondern 1992 ein Fotograf in Rostock-Lichtenhagen. Darauf zeigt ein Mann in Sandalen und Deutschlandtrikot den Hitlergruß. Dazu trägt er eine vollgepinkelte Jogginghose.