Mannheim

Reaktionen Großes Bedauern über das Aus für das Café Journal / Zahlreiche Kommentare schildern Erlebnisse rund um das Bistro

Facebook-Nutzer kritisieren Stadt

Die letzte Wochenkarte versprach Gästen zwischen dem 16. und 19. März unter anderem Omelette mit Blattspinat und Salat sowie Seelachsfilet im Bierteig. Dann kam die Corona-bedingte Schließung – und seitdem hat das Café Journal am Marktplatz nicht mehr geöffnet. Zwar finden sich auf der Webseite des Bistros keine neueren Informationen, dennoch liegen dem „MM“ gesicherte Infos vor (wir berichteten), dass das Traditionslokal schließt. Als Nachfolger soll ein Restaurant im Gespräch sein, das vorwiegend türkische Spezialitäten anbietet – wie die meisten gastronomischen Einrichtungen am und um den Marktplatz. Auf der Facebookseite des „MM“ haben Nutzer mehr als 400 Kommentare zu dem Thema abgegeben.

„Das beste Beispiel für ein totales Versagen der Mannheimer Integrations-Politik. Hier ist eine Stadt in der Stadt entstanden. Soweit musste es leider kommen“, kritisiert Edmund Gordt. In die gleiche Richtung argumentiert Raphael Tedesco: „Klein Istanbul – da fängt es an. Mag touristisch klingen und hat Flair, ohne Wenn und Aber, aber es ist auch ein Riesenproblem der Selbstentfremdung und Abgrenzung.“

Nutzerin Nad Ja bedauert die Angleichung des Angebots am Marktplatz, ist davon aber nicht überrascht: „In meinen Augen hat die Stadt ihr Augenmerk seit Jahren auf die Schickeria-Planken gelegt und das völlig unnötige und überzogene Q 6/Q 7. Ich esse lieber einen Grillteller auf dem Marktplatz als vier Garnelen für acht Euro auf den Kapuzinerplanken.“ James Manz meint, dass die Gegend um den Marktplatz auch früher schon kein attraktives Viertel war: „Ich lese hier Gejammere, dass Mannheim nicht mehr schön ist. Sorry – das war auf der Breiten Straße und dem Marktplatz schon seit Jahrzehnten so. In den Achtzigern gab es dort ein Hardrock Café und den Club dazu. Wenn man da nachts war, war der Heimweg über die Breite Straße lebensgefährlich. Hinterm Marktplatz war es auch schon immer eher schwierig.“

Viele Nutzer stören sich an der immer geringeren gastronomischen Abwechslung, die durch ein weiteres türkisches Restaurant entstehen würde. Claudia Berle-Cvijic fürchtet, dass noch ein zusätzlicher Holzkohlegrill auf dem Marktplatz Rauch produzieren könnte und schreibt: „Als ich gestern Abend kurz die Breite Straße betreten hatte, bin ich mir vorgekommen wie in einem Kohlebergwerk. Verschmutzte, eingeräucherte Luft. Bin direkt wieder geflohen.“ Nutzer GiGi Ma sieht das ähnlich und kommentiert die Schließung mit den Worten: „Oh nein, bitte nicht. Sonst kommt noch so ein Grillrestaurant rein.“ Theo Schuler sieht darin eine „schlechte Nachricht für die Innenstadt“ und hofft, dass „ein passender Nachfolger im Sinne der Vielfalt gefunden“ wird.

Erinnerungen an Besuche

Zahlreiche Nutzer haben Erinnerungen an das Café Journal. Brigitte Bachmann schreibt, dass sie selbst dort gearbeitet habe und es eine „schöne Zeit“ war. Heike Gebhard war „sehr oft dort“ und hat sich „immer wohlgefühlt“, sie bedauert, dass Mannheim immer weniger zu bieten habe. Andrea Estebainha schreibt: „Oh schade, wir haben sehr gerne dort gefrühstückt.“ Marion Bauer lobt die Gemütlichkeit und die „zentrale Lage“ des Bistros, das in den Abendstunden auch Longdrinks und Cocktails im Angebot hatte, während Ute Weis die Meinung vertritt, dass die guten Zeiten des Café Journal „schon lange vorbei waren“.

Simon Kramer verbindet Erlebnisse aus seiner Jugend mit dem Bistro: „Das waren noch Zeiten – nach dem Tanzkurs auf ein Bananenweizen dorthin und ab und zu auf nen gebackenen Camembert.“ Züleyha Bahar findet die Schließung „einfach nur traurig“, denn in ihren Augen war das Café „einfach Kult“.

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