Mannheim

Fast 60 Jahre im Dienst des „MM“

Ein Mann mit Benzin im Blut! Das Leben von Wolfgang Ruppert ist von Fahrzeugen geprägt – und einer sehr langen Verbindung zum „Mannheimer Morgen“. „Mehr als 59 Jahre habe ich hier gearbeitet“, sagt der 81-Jährige. Und viele Mitarbeiter können es sich gar nicht vorstellen, dass der rüstige Senior künftig nicht mehr mit seinem Mercedes-Cabriolet von seiner hessischen Heimat in die Dudenstraße fährt.

Zumindest einmal die Woche. Denn nach dem offiziellen Ruhestand 1999 standen noch immer regelmäßige Überprüfungen der Fahrzeuge im Fuhrpark, Inspektionen oder die Fahrt zur Hauptuntersuchung auf dem Programm. Vor allem im Frühjahr und Herbst, wenn der Wechsel von den Winter- auf die Sommereifen oder umgekehrt anstand, war Wolfgang Ruppert immer auf den „MM“-Anlagen unterwegs. Hier eine Plauderei mit der Sekretärin, dort ein schneller Rat zum Autokauf – der Herr mit den grauen Haaren, Bart und Brille ist allseits beliebt.

„Am 1. Januar 1960, dem ersten Arbeitstag hätte ich mir nie träumen lassen, dass die Verbindung so lange dauert“, sagt Ruppert, der seit drei Jahren verwitwet ist, heute. Erst als stellvertretender, später als Fuhrparkleiter stand er der stattlichen Anzahl von 66 Mitarbeitern vor. „Wir hatten damals alleine 14 Ford Transit, mit denen die Zeitungen ausgeliefert wurden.“ Und alle wurden selbst gewartet und nach Unfällen repariert. Der gelernte Motorenbauer war auch für die Einteilung der Fahrer zuständig.

Viel Spaß haben ihm die Fahrertrainings gemacht, die er absolvieren musste, weil er nicht nur die Verleger, Herausgeber oder Chefredakteure durch die Gegend chauffierte, sondern auch Politiker wie die Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß oder Lothar Späth und Bundesminister Klaus Töpfer vom Flughafen als Redaktionsgäste abholte. „Franz-Josef Strauß flog das Flugzeug selbst – und drückte mir fünf Mark in die Hand. Für eine Brotzeit“, blickt Ruppert schmunzelnd zurück, steigt in sein Cabrio und winkt zum Abschied.