Mannheim

Jugendkulturzentrum Fachtagung beschäftigt sich mit dem Thema Kinder und Internet / Experten wollen Mädchen und Jungs mit mehr Medienkompetenz ausstatten

Fast jede zweite Zwölfjährige stellt Selfies ins Netz

„Kinder verschicken an Kinder Kinderpornographie.“ So fasst Philip Gerber kurz die Problematik zusammen, mit der sich neben anderen Themen die Arbeitsgemeinschaft 78 Medienkompetenz (AG 78) beschäftigt. Der Sprecher der AG 78 berichtet, dass heute jeder dritte Internetbenutzer minderjährig ist und unter den zwölfjährige Kindern bereits 38 Prozent der Jungs und 46 Prozent der Mädchen Selfies online posten. Oft könnten Kinder und Jugendliche aufgrund ihrer Unbefangenheit und Naivität die Gefahren des Internets nur unzureichend erkennen. Und häufig wüssten sie auch nicht, wie sie sich vor den Gefahren schützen könnten.

Die AG 78 beschäftigt sich mit der Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen und greift in einem Fachtag unter dem Titel „Safer Social Media“ am 11. November im Jugendkulturzentrum forum die Problematik auf. In zwei Fachvorträgen und sieben Workshops wollen die Experten über die Probleme sprechen und präventive Maßnahmen vermitteln.

„Ständige Herausforderung“

„Es ist eine ständig neue Herausforderung“, so umschreibt der Fachbereichsleiter des Jugend- und Gesundheitsamtes, Peter Schäfer, die Ausgangslage. „Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet zu gewinnen.“ Neugier und Experimentierfreudigkeit der Kinder und Jugendlichen führten dazu, dass diese „die Gefahren nicht selber erkennen. Auch die Eltern können das bisweilen nicht.“ Schäfer: „Das Internet ist ein anderer Raum, man darf dort offenbar alles machen, was man sonst nicht darf.“ Ihm geht es darum, die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen auf dem Fachtag über Multiplikatoren von früh auf zu stärken.

Annäherungsversuche online

Martina Schwarz kennt die Problematik, sie ist die Leiterin der psychologischen Beratungsstelle für Mädchen und Frauen, die sexuell genötigt, vergewaltigt oder missbraucht wurden. Das Internet spiele immer mehr eine Rolle. „15 Prozent der Kinder und Jugendlichen berichten von Annäherungsversuchen im Internet, größtenteils von Bekannten. Wir müssen uns damit beschäftigen.“ Kinder und Jugendliche bekämen im Netz Aufmerksamkeit, Schmeicheleien, sie würden desensibilisiert, manipuliert, und am Ende erpresst oder gar vergewaltigt. „Die Entwicklung ist rasant, wir kommen nur über Prävention und Aufklärung da ran. Das ist eine riesige Aufgabe“, so Schwarz.

Der Medienpädagoge Jürgen Held fasst die Problematik zusammen: „Kinder und Erwachsene sind mit dem Internet und den Gefahren komplett überfordert.“ Auch für Andreas Breunig, den stellvertretenden Leiter des Lessing-Gymnasiums, ist Medienkompetenz wichtig: „Medienbildung haben wir in allen Bereichen und Fächern, unsere Hauptaktivität ist die Prävention.“ Das Thema würde allerdings in der Gesellschaft vernachlässigt, merkte Manfred Shita vom Stadtjugendring an. dle

Info: Infos zur Medienkompetenz: www.klicksafe.de

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