Mannheim

Kultur Saxofonisten-Legende Emil Mangelsdorff mit seinem Quartett bei „Jazz im Quadrat – Hautnah Exklusiv“ im Ella & Louis

Faszinierend als Mensch und Musiker

Archivartikel

„Eine große lebende Jazzlegende“, um es mit den Worten von Musikclub-Kurator Thomas Siffling zu sagen, konnten die Besucher bei „Jazz im Quadrat – Hautnah Exklusiv“ im Ella & Louis erleben: der Saxofonist Emil Mangelsdorff war mit seinem Quartett bei der Konzertreihe des „Mannheimer Morgen“ zu Gast – und verwandelte den Abend in ein zutiefst erinnerungswürdiges Ereignis. Sage und schreibe 94 Jahre ist der 1925 in Frankfurt geborene Musiker mittlerweile alt, der bereits vor knapp acht Dekaden seine Laufbahn begann. Sie sollte ihn zu höchsten Jazz-Würden und vielfachen Auszeichnungen führen.

Zusammen mit seiner schlichtweg exzellenten Band, bestehend aus Thilo Wagner am Flügel, Jean-Paul Wadle am Kontrabass und Axel Pape am Schlagzeug, zeigte Mangeldorff vor ausverkauftem Haus, dass sein Spiel von ungebrochen vitaler Strahlkraft ist: voller Dynamik und geschmeidiger Eleganz, mit gefühlvoller Finesse, groovestark und swingend, dabei immer charaktervoll und pointiert – ob Mangeldorff nun Werke von Charles Lloyd, Charlie Parker, Oliver Nelson oder Thelonious Monk interpretierte.

Dabei solistisch wie in der Formation kongenial von seinen Mitmusikern begleitet, bewies sich Mangelsdorff indes nicht nur als meisterlicher Instrumentalist, sondern ebenso als gewinnend humorvoller Zeitgenosse, der etwa George Gershwins „The Man I Love“ mit den Worten: „Ein Stück, das noch älter ist als ich – und das will was heißen“ einleitete.

So gerne man dem Musiker Mangeldorff zuhörte, so gerne lauschte man den Worten des Erzählers Mangelsdorff, der eingangs im angeregten Gespräch mit „MM“-Kulturredakteur Georg Spindler von seinem Leben und Werdegang erzählte: Angefangen von seinen jungen Tagen als Musiker zu NS-Zeiten, als er wegen „Wehrzersetzung“ von der Gestapo verhaftet wurde, oder wie er nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft in der Frankfurter Jazzszene spielte, zusammen mit dem Pianisten Wolfgang Lauth auch oft in Mannheim und Heidelberg musizierte. Am Ende erhoben sich die Besucher von ihren Plätzen, um mit Emil Mangelsdorff einem faszinierenden Menschen und Musiker langen und lauten Applaus zu spenden.

„Er spielt gut und routiniert, mit viel Spaß und Lebensfreude“, urteilte etwa der 69-jährige Besucher und erfahrene Konzertgänger Helmut Gehr. „Das ist auch was für junge Leute“, bedauerte seine ein Jahr jüngere Frau Inge nach der Gesprächsrunde, dass nicht mehr Jugendliche an diesem Abend zugegen gewesen seien. Die beiden Schwetzinger selbst hatten ihren 13-jährigen Enkel Jan-Elias mit zu dem „Jazz im Quadrat“-Auftritt gebracht.

Geschichtsstunde für Jüngere

Gerade auch an die jüngere Generation richtet sich seine 1985 ins Leben gerufenen Reihe von Gesprächskonzerten, bei denen Mangelsdorff über seine Erfahrungen während der Diktatur der Nationalsozialisten spricht. „Das Interesse daran ist nach wie vor wach“, es verliere sich nicht mit dem Vergehen der Zeit, sondern nehme sogar zu, hatte der 94-Jährige im Interview mit Spindler berichtet. Der „MM“-Redakteur hatte wiederum angeregt, etwa mit Blick auf die mögliche Anwesenheit von Lehrern im Publikum: „Ich glaube, dass Emil Mangeldorff auch durchaus Interesse hätte, so etwas in Mannheim zu machen.“

Für das Ella & Louis markierte der glänzende Auftritt des Emil Mangelsdorff Quartetts zugleich das letzte Konzert in der aktuellen – und ersten – Spielzeit. Doch so viel verriet Kurator Thomas Siffling bereits zum Programm nach der Sommerpause: Am 11. Oktober werde das nächste „Jazz im Quadrat – Hautnah“-Konzert stattfinden, dann mit dem renommierten israelischen Pianisten Yonathan Avishai, der im Rahmen von „Enjoy Jazz“ in der neuen Spielzeit die „Mannheimer Morgen“-Reihe eröffnen werde.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/mannheim

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