Mannheim

Serie Selbstgemacht Kalligrafie ist das Hobby von Gudrun Gratz-Fister, die mittlerweile 38 verschiedene Arten beherrscht / Federn als Urlaubsmitbringsel

Fasziniert von schönen Schriften

Von unserer Mitarbeiterin

Sylvia Osthues

In der digitalen Welt sticht Handgemachtes immer mehr heraus. Vor allem, wenn traditionelles Kunsthandwerk auf moderne Ästhetik trifft. Malerei und Kalligrafie – also die Kunst des Schönschreibens –, aber auch das kreative Gestalten von Ketten und Armbändern aus Papier verbindet Gudrun Gratz-Fister bei ihrem Hobby.

Auf dem Esstisch in ihrem Wohnzimmer breitet sie ihre selbstgemachten Schätze aus: Gratz-Fister gestaltet persönliche Kartengrüße, Leporellos, Schriftbilder oder Bücher. Was auf den ersten Blick klar und einfach aussieht, ist das Ergebnis jahrelanger Übung. Gudrun Gratz-Fister aus der Schwetzingerstadt betreibt ihr Hobby seit vielen Jahren und lernt immer wieder Neues dazu. „Es ist ein lebenslanges Üben und Lernen“, sagt sie.

Oft auf Handwerkermärkten

Beim Erzählen über ihr Hobby Kalligrafie kommt Gratz-Fister ins Schwärmen, weil es so viele verschiedene Arten von Schriften gibt: von der keltischen über Bastarda bis hin zu den moderneren Formen des Schönschreibens. „Ich bin immer noch Schülerin und übe die Schriftkunst“, sagt sie von sich selbst bescheiden. Dabei zaubert sie faszinierende Bilder, die die Mannheimerin schon mehrmals ausstellen durfte. Außerdem hat sie bei einem Wettbewerb für ein neues Firmenlogo den ersten Preis gewonnen.

Gudrun Gratz-Fister, die bis August 2016 in der Personalleitung der Lieblang Cosmos Reinigung Islinger arbeitete, ist zwei bis dreimal im Jahr auf Kunsthandwerkermärkten anzutreffen. Dort verkauft sie Selbstgeschriebenes und Gemaltes. Absolute Renner und ein Hingucker, sagt sie, seien ihre Ketten und Armbänder: Aus beschriebenen, bemalten oder bedruckten Aquarellpapieren entstehen Papierperlen, die Gratz-Fister – durch Lackierung haltbar gemacht – zu individuellem Schmuck verarbeitet.

Da sie zwar vor allem schreibt, aber auch gerne malt, kombiniert sie beides, integriert die Schrift ins Bild oder verziert mit der Malkunst die Schriften. Die Kunst des Schönschreibens faszinierte die 67-Jährige ihr ganzes Leben lang. Schon in jungen Jahren hat sich Gudrun Gratz-Fister mit Malen und Schreiben beschäftigt, hat ihre eigene Schrift entworfen. Und dennoch besuchte die gebürtige Saarländerin erst im späteren Alter ihren ersten Kalligrafiekurs, um herauszufinden, ob ihr dieses Hobby auch selbst gefallen könnte. Nach erfolgreichem Abschluss eines Fernkurses erwarb sie ihr Diplom und ist mittlerweile Mitglied in verschiedenen kalligrafischen Vereinigungen. Viele weitere Kurse bei namhaften Kalligrafen folgten. Denn aus Büchern allein könne man dieses Hobby nicht lernen, erklärt sie.

Bis heute hat die Mannheimerin 38 verschiedene Schriftarten erlernt, auch wenn sie für alle noch nicht ganz ohne Vorlage auskommt. Gratz-Fister hat deshalb für sich selbst einen Schriftfächer mit den Buchstaben verschiedener Schriften entwickelt. Um ihr Schönschreib-Hobby auszuüben, besitzt Gratz-Fister mittlerweile mehrere Dutzend verschiedene Federn. Manche sind sogar selbst gemacht, auch das hat sie in dem Kurs nebenbei erlernt. Dabei kommen manchmal die kuriosesten Materialien wie Stecknadelköpfe oder gar ein Fagott-Mundstück zum Einsatz. Und auch die eigenen Urlaubsmitbringsel sind für Gudrun Gratz-Fister klar: Überall, wo sie ist und es welche gibt, kauft sie Federn. Wie oft sie schreibt? Täglich. „Während meiner Berufstätigkeit nutzte ich in der Freizeit das Kalligrafieren, um zu entspannen. Seit ich im Ruhestand bin, kann ich meinem Hobby ausgiebig frönen.“

Absolute Konzentration

Eines ist ihr beim Schreiben ganz wichtig: Es muss absolut ruhig um sie herum sein. „Jede Schriftart hat ihre eigene Gesetzgebung“, erklärt sie. Darum muss sie sich konzentrieren und nichts ist ärgerlicher, sagt sie, als ein Fehler auf dem angefangenen Blatt. „Mein Wohnzimmer ist mein Atelier. Allerdings haben Papiere, Tinten, Tuschen, Federn und Pinsel die Angewohnheit, sich immer mehr Raum zu erobern“, berichtet sie mit schelmischem Augenzwinkern. Unter dem Sofa stapelt sich kiloweise das Papier. Ihre Schreibwerkstatt ist der halbe Esstisch. Das funktioniert nur, wenn auch der Partner das Hobby unterstützt. „Mein Mann steht voll dahinter, es macht ihm Freude, er hat mir auch schon mal eine schöne Glasfeder geschenkt.“.